Blog

Foto: https://de.fotolia.com/id/80088882

Foto:
https://de.fotolia.com/id/80088882

Alles Gute für 2016! – С новым годом!

vom 31.12.2015 17:32:56

Zum Jahresende möchte ich mich bei meinen Partnern und Auftraggebern für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit bedanken und Ihnen allen einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr wünschen.

Meine Projekte in diesem Jahr waren geprägt von Geschichte, Museum und Russland – meinen Themen und Schwerpunkten in ganz unterschiedlichen Projekten mit verschiedenen Partnern in Deutschland, Belarus und Russland. Einen Überblick gibt meine in diesem Jahr neu gestaltete Website, auf der Sie ein aktueller Blog auf dem Laufenden über meine Aktivitäten hält.

Deren Erfolg hängt von Kommunikation und Vertrauen ebenso ab wie von der persönlichen Begegnung. Diese wünsche ich mir für das nächste Jahr fortzusetzen und als Grundlage für die weitere Zusammenarbeit auszubauen!

К концу года я хотела бы поблагодарить всем своим партнерам и заказчикам за довере и и конструктивное сотрудничество и желать Вам здорового нового года.

Мои проекты в этом году были обусловлены историей, музеем и Россией – моим темам в различных проектах с различными партнерами в Германии, Беларуси и России. Обзор дает моя новая веб-страница с актуальным блогом о моих текущих действиях.

Их успех зависит от коммуникации и доверия так же как от личной встречи. Продолжать встречаться –  мое желание на следующий год и развивать отношения как основа будущего сотрудничества!

Foto: http://ibb.by/educational-program/journal/news

Foto: http://ibb.by/educational-program/journal/news

Erinnerungskultur auf belarussisch

vom 20.12.2015 06:56:52

Dieses bei uns schon länger aktuelle Thema kommt allmählich auch in Belarus an. Am vergangenen Mittwoch habe ich, wie angekündigt, eine Podiumsdiskussion in Minsk zu der Frage geleitet: „Welche Erinnerungskultur braucht die belarussische Gesellschaft. Die Rolle der Medien“. In diesem Rahmen wurde eine Publikation vorgestellt, die Reportagen und Berichte von jungen Journalisten verschiedener Medien zur Erinnerungskultur und Geschichtspolitik umfasst: „Erinnerungskultur – professionelle Standards und Praktiken für die Aufbereitung historischer Themen in den Massenmedien“, hg. von Marina Zagorskaja für das IBB Minsk, 2015 (Культура памяти – профессиональные стандарты и приемы в освещении исторической тематики в СМИ).

Sowohl die Publikation als auch die Podiumsdiskussion machen deutlich, dass die Beschäftigung mit dem Thema ganz am Anfang steht. Mein Eindruck ist, dass schon der Begriff viele Fragen aufwirft. Gesprochen und geschrieben wird meist über Geschichte, kaum über die Art und Weise, wie wir uns daran erinnern – sollen/wollen. Hinzu kommt, dass sich die Diskussion thematisch auf die Erinnerung an den Krieg beschränkt, womit schnell die häufig zementierten Meinungen den Austausch bestimmen. Aber genau das ist ja Erinnerungskultur, darin waren wir uns dann auch auf dem Podium einig. Möge die Publikation ein Anfang sein, diese Kultur zu entwickeln.

Foto: http://ibb.by/de/educational-center/school-of-journalism

Foto:
http://ibb.by/de/educational-center/school-of-journalism

Diskussion zur Erinnerungskultur in Belarus – Панельная дискуссия к культуре памяти в Беларуси

vom 13.12.2015 09:24:53

Am 16. Dezember lädt die IBB Minsk zu ihrer Jahresabschlussveranstaltung der Medienakademie ein. Neben einer Buchvorstellung („Erinnerungskultur – professionelle Standards und Praktiken für die Aufbereitung historischer Themen in den Massenmedien“) und einem Empfang wird es auch eine Podiumsdiskussion geben zum Thema „Welche Erinnerungskultur braucht die belarussische Gesellschaft? Die Rolle der Medien“, die zu moderieren ich die Ehre haben werde. Auf dem Podium werden sitzen: Natalja Jackevich vom Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges, Alexander Dolgovskij von der Geschichtswerkstatt Minsk, Sergej Golovko von der Zeitschrift „Belarusskaja Dumka“ und Sergej Makarevich von der Zeitung „Nasha Niva“. Die beiden Journalisten hatten auch an der Reise nach Deutschland teilgenommen, im Rahmen derer verschiedene Medienvertreter aus Belarus Gedenkstätten und Museen besucht sowie an Veranstaltungen zum Thema der Erinnerungskultur teilgenommen hatten. U.a. waren sie auch im Deutschen Historischen Museum, wo ich sie durch die Ausstellung „1945 – Niederlage. Befreiung, Neuanfang“ geführt habe. Daraus waren einige interessante Artikel in belarussischen Medien entstanden, die die Erfahrungen der Journalisten reflektieren und vielleicht ein Anstoß in der innerbelarussischen Diskussion um die Erinnerungskultur sein könnten.

Панельная дискуссия к культуре памяти в Беларуси

16 декабря ИББ Минск приглашает на заключительное мероприятие Школы журналистики ММОЦ им. Й. Рау и Исторической мастерской им. Л. Левина в 2015 г. Наряду с представлением книги („Культура памяти – профессиональные стандарты и приемы в освещении исторической тематики в СМИ “) и прием состоится и панельная дискуссия по теме „ Какая культура памяти нужна белорусскому обществу? Роль СМИ“. В дискуссии участвуют Наталия Яцкевич из Музея истории Великой Отечественной войны, Александр Долговский из Исторической мастерской в Минске, Сергей Головко, корреспондент журнала «Беларуская думка» и Сергей Макаревич, корреспондент газеты «Наша Нiва». Оба журналиста приняли участие в поездке в Германию, где представители средств массовой информации из Беларуси посетили мемориалы и музеи, а также приняли участие в мероприятиях по теме культуры памяти. Кроме всего прочего, они были в Немецком Историческом музее, где я им сделала экскурсию по выставке „1945 г. – поражение, освобождение, новое начало“. Из этого вышли несколько интересных статей в, которые отражают опыт журналистов и могли бы быть толчком во внутренне-белорусском обсуждении культуры памяти.

Foto: http://www.saint-petersburg.com/museums/razliv-museum-center/

Foto:
http://www.saint-petersburg.com/museums/razliv-museum-center/

Museumsstreifzüge durch unbekannte Museen – Folge 6: Razliv Museum Center

vom 06.12.2015 12:24:48

Auf den Spuren der Revolution war ich kürzlich an einer der letzten Lenin-Kult-Gedenkstätten, und zwar in Razliv bei St. Petersburg. Es handelt sich um das letzte Versteck Lenins, bevor er es dort nicht mehr aushielt und Ende Oktober 1917 buchstäblich mit der Straßenbahn in die Stadt fuhr, um die Revolution anzuzetteln. Daran erinnert ein Museum, oder besser gesagt eine Gedenkstätte im wahrsten Sinne des Wortes, mit zwei Standorten, indem sie Lenins Lebensumstände zunächst im Hause eines Revolutionsgenossen, dann in einer Erdhütte (!) weniger dokumentiert als konserviert.

Verrückt ist, dass genau hier, vor den Toren der Metropole, die Gegensätze der russischen Gesellschaft anschaulicher nicht sein könnten: Neben verfallenen Holzhäusern im finnischen Stil stehen wahre Protzbauten der neuen Russen und solide Villen der Mittelklasse. Nur die wenigsten der traditionellen Bauten werden wieder in Stand gesetzt, vielmehr hört man, dass sie regelmäßig zufällig abbrennen, um teuren Bauplatz frei zu machen.

Der Kult um die mehrfach wiederaufgebaute und stabilisierte Erdhütte mutet hier schon seltsam an. Lenin hatte natürlich nur Gedanken für die Revolution, die sich die Überwindung eben dieser Klassenunterschiede auf die Fahnen geschrieben hatte.

Foto: http://www.erarta.com/ru/calendar/exhibitions/detail/89565163-41cb-11e5-85a8-8920284aa333/

Foto: http://www.erarta.com/ru/calendar/exhibitions/detail/89565163-41cb-11e5-85a8-8920284aa333/

Auf den Spuren der russischen Revolution…

vom 29.11.2015 14:18:41

… hatte ich kürzlich in Moskau die Gelegenheit, den Enkel von Jakov Chernichov zu treffen. Andrej Chernichov, selbst ein bekannter und erfolgreicher Architekt, verwaltet den Großteil des Erbes und Nachlasses seines berühmten Großvaters. Dieser steht noch immer im Schatten von Leonid und Wiktor Wesnin oder Konstantin Melnikov und anderen Konstruktivisten. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sein Werk hauptsächlich architektonische Utopien umfasst, gebaut wurde so gut wie nichts. Eines der wenigen Beispiel für eine Realisierung ist der Wasserturm in einer Fabrik in Petersburg. Dort, in Petersburg, wird derzeit eine umfangreiche Ausstellung zum Werk Chernichovs gezeigt. Träger und Veranstalter ist die Chernichov-Stiftung. In dem Fabrikgebäude plant die Stiftung, die auch einen Preis für Architekten auslobt, ein Architekturmuseum. Bevor das allerdings eröffnet wird, hoffe ich, im Rahmen einer anderen, in Berlin geplanten Ausstellung einige Werke von Chernichov zu integrieren.

Foto: http://www.russkiymir.ru/news/198893/

Foto: http://www.russkiymir.ru/news/198893/

10 Jahre Deutsch-Russischer Museumsdialog

vom 22.11.2015 16:33:10

Anfang der Woche hatte ich die Ehre und das Vergnügen, zu den geladenen Gästen der Festveranstaltung anlässlich des 10jährigen Bestehens des Deutsch-russischen Museumsdialogs zu gehören. Es war dies eine gute Gelegenheit, Kollegen aus verschiedenen russischen Museen und dem Forschungsfeld „Beutekunst“ im weitesten Sinne wiederzutreffen, darunter z.B. Grigorij Kozlov und Konstantin Akinsha. Es waren die beiden, die Anfang der 90er Jahre den Stein erst ins Rollen gebracht haben, ohne an die Konsequenzen zu denken. In Russland zu Persona non grata erklärt, waren beide damals häufig an der Forschungsstelle Osteuropa in Bremen, wo ich zu der Zeit bei und mit Wolfgang Eichwede gearbeitet habe. Auch er war natürlich in Berlin.

Die Vorträge des ersten Tages waren eher unergiebig, es ging aber vermutlich auch eher um das Feiern der eigenen Erfolge. Davon gibt es in der Tat einige in Form von Rückgaben, Forschungsprojekten und – das wichtigste – der breiten Vernetzung deutscher und russischer Museumskollegen untereinander.

Trotzdem bleiben die sog. kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter und die „Beutekunst“ schwierige Themen, und der Umgang mit ihnen wird in Zeiten der abgekühlten deutsch-russischen Beziehungen auf der politischen Eben nicht leichter. Die Veranstaltung suchte ihren Weg zwischen der offenen Ansprache der Probleme und Herausforderungen auf der einen und dem kollegialen Austausch auf der anderen Seite.

Ich habe mich, im Gedenken an die Bremer Zeit, an meine Publikationen zum Thema erinnert (zusammen mit Christoph Kalb), denen die Idee einer Stiftung zugrunde lag. Der Clou war der gegenseitige Eigentumsverzicht auf der gemeinsamen kultur- und geistesgeschichtlichen Grundlage gesamteuropäischer Werte. Ich finde diese Idee noch immer aktuell, allerdings stehe ich damit vermutlich ziemlich alleine, wie die Diskussionen gezeigt haben.

10-летие Германо-Российского музейного диалога

В начале недели я имела честь и удовольствие побывать в числе приглашенных гостей на праздничном мероприятии по поводу 10-летнего существования Германо-российского музейного диалога. Это был хороший случай встретиться с коллегами из различных русских музеев, а также с исследователями в сфере „трофейного искусства“ в самом широком смысле, в том числе с Григорием Козловым и Константином Акиншей. Именно они стали „первопроходцами“ в этом деле в начале 90-х годов, не задумываясь о последствиях своей работы. Объявленные персонами нон-грата в России, они тогда часто бывали в Исследовательском центре Восточной Европы при Бременском университете, где я в то время работала у Вольфганга Айхведе. Разумеется, он также присутствовал на мероприятии в честь 10-летия Музейного диалога в Берлине.

Доклады первого дня конференции были скорее поверхностными, однако речь шла, вероятно, больше об оценке собственных успехов. Таковые действительно имеют место быть – реституции и совместные исследовательские проекты, а также – что является самым важным – образование обширной сети контактов среди немецких и русских музейных коллег.

Все же перемещенные культурные ценности и „трофейное искусство“ остаются трудными темами, и заниматься ими еще сложнее в период охлаждения германо-российских отношений в политической сфере. Мероприятие находится в поиске своей ниши между открытым обращением к актуальным проблемам и вызовам с одной стороны и коллегиальным обменом с другой.

Возвращаясь мысленно к бременским временам, я вспомнила о своих публикациях на данную тематику (совместно с Кристофом Кальбом), в основу которых была заложена идея создания фонда. Главной его особенностью является взаимный отказ от собственности на общей культурно-исторической и духовно-исторической основе общеевропейских моральных ценностей. Мне до сих пор нравится данная идея, которая, на мой взгляд, не потеряла своей актуальности и по сегодняшний день, однако мое мнение, кажется, не разделяет большинство коллег, как показали состоявшиеся дискуссии.

Foto: http://www.polithistory.ru/vistavka/1240-ekspoziciya-chelovek-i-vlast-v-rossii-v-xix-xxi-stoletiyah

Foto: http://www.polithistory.ru/vistavka/1240-ekspoziciya-chelovek-i-vlast-v-rossii-v-xix-xxi-stoletiyah

Streifzüge durch unbekannte Museen – Folge 5: Das Museum für Politische Geschichte in St. Petersburg

vom 15.11.2015 19:19:42

Eigentlich ist schon die Überschrift falsch: Das Museum für Politische Geschichte ist natürlich nicht unbekannt und sollte es auch nicht sein. Im Gegenteil: Jeder Museumsprofi, der mit Russland zu tun hat, kennt das frühere Petersburger Revolutionsmuseum nicht nur, weil es in dem Gebäude zu Hause ist, von dessen Balkon Lenin seine Aprilthesen verkündet hat (nachdem die Bolschewiki einen Teil der Villa der Primaballerina Mathilda Kshesinskaja besetzt hatten). Darüber hinaus kann man den Direktor, Evgenij Artjomov, und seine Mitarbeiter für ihre professionelle und produktive Arbeit nur bewundern. Häufig wechselnde (Dauer-)Ausstellungen, eine vielfältige Vermittlungsarbeit und ein breites Angebot im Internet heben das Museum weiterhin von einem Großteil anderer russischer Museen ab.

Ich war 2003 zum ersten Mal für das Deutsche Historische Museum dort, seitdem verbinden mich gute kollegiale, fast freundschaftliche Beziehungen mit dem Museum. In meiner Zeit als Leiterin des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst habe ich Herrn Artjomov in den wissenschaftlichen Beirat geholt – als zu diesem Zeitpunkt einzigen russischen Museumsmann und Petersburger Kollegen. Seit vielen Jahren arbeite ich immer wieder im Rahmen neuer Projekte mit dem Museum zusammen. Gerade war ich wieder für ein aktuelles Ausstellungsprojekt dort.

Eigentlich hat sich nicht viel verändert, so dass ich meinen Reisebericht von 2003 bedenkenlos veröffentlichen kann. Genau genommen ist das Museum noch besser geworden und die politischen Diskussionen noch leidenschaftlicher. Vor ein paar Jahren ging es um die neue Dauerausstellung zur Sowjetunion im 20. Jh. (eine Thema, die man in Moskauer historischen Museen übrigens bisher vergeblich sucht), konkret um die Darstellung von Terror und Repressionen. Aktuell debattiert man die russische Ukraine- und Weltpolitik. Es ist eine Ehre und eine Freude, an diesen Kontroversen teilhaben zu dürfen, wenngleich eine echte sprachliche Herausforderung, wenn man zu Wort kommen will. Wenn ich in Petersburg wohnte, ich würde sofort anheuern, und sollte irgendjemand das Museum tatsächlich doch noch nicht kennen – dann nichts wie hin!

© ICOM Deutschland e.V.

© ICOM Deutschland e.V.

EXPONATEC Cologne – Museumsfachmesse in Köln

vom 08.11.2015 19:27:12

Vom 18.-20. November ist es mal wieder soweit: Auf der EXPONATEC kommen Museums- und Ausstellungsfachleute, Gestalter, Multimediaentwickler, Konservatoren, Anbieter von Ausstellungsproduktion und -technik sowie alle, deren professioneller Bezugspunkt das Museum ist, auf der Fachmesse zusammen. Es handelt sich um eine der beiden Messen rund um das Museum, die es in Deutschland gibt. Neben der Exponatec findet vom 10. bis 12. November in Leipzig die MUTEC statt.

Ich kann leider weder in Leipzig noch in Köln dabei sein, aber ich habe die Ehre, auf der EXPONATEC eines der Gesichter von ICOM Deutschland zur Präsentation der Verbandsarbeit zu sein, so dass ich mit einem Foto und einem Kurztext auf einem Roll-Up doch irgendwie dabei bin.

EXPONATEC Cologne –Отраслевая ярмарка-выставка по музеям в Кельне

18-20 ноября выставка снова откроет свои двери: На EXPONATEC встречаются музейные и выставочные специалисты, дизайнеры, хранители, продавцы выставочного производства и техники, а все, профессиональная среда которых – музей. Речь идет об одной из двух ярмарок по музеям в Германии. Кроме EXPONATEC есть еще MUTEC с 10 по 12 ноября в Лейпциге.

Я не могу принимать участие, к сожалению, ни в Лейпциге, ни в Кельне, но я имею честь быть одним из лиц ICOMа Германии для презентации союзной работы на EXPONATEC, так что я все же как-то буду участником, правда фотографией и коротким текстом на Roll-Up.

Foto: www.mimi-gallery.com

Foto: www.mimi-gallery.com

Museumsstreifzüge – Folge 4: Die Russische Nationalbibliothek

vom 01.11.2015 16:55:35

Eigentlich muss man gar nicht die Abteilung der (Kunst-)Drucke bemühen, um bei der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg an ein Museum zu denken. Die Bibliothek selbst gleicht einem Musentempel, wie es ihn bei uns für die wissenschaftliche Arbeit nur noch selten gibt. Mich führte die Recherche für ein neues Ausstellungsprojekt in die heiligen Hallen, in denen ich vor 20 Jahren schon einmal für meine Doktorarbeit recherchiert hatte.

Wie so oft in Russland, hat sich seitdem nicht und alles verändert, was so viel heißen soll, dass man ständig von einem Extrem in das andere gerät – zwischen Freud und Leid der Errungenschaften moderner Technik und der Globalisierung und den überkommenen, sowjetischen Gepflogenheiten. Zunächst gilt es, die zeitlosen Hürden der russischen Bürokratie zu überwinden. Meine Anfrage, die ich problemlos per Email stellen konnte, wurde mit den Hinweis beschieden, nichts gehe ohne einen gültigen Benutzerausweis, der natürlich nur vor Ort zu bekommen ist. Danach sehe man weiter. Ich stelle mich also mutig der Empfangsdame und lege ihr, um sie milde zu stimmen, meinen Ausweis von 1994 mit diversen Stempeln und handschriftlichen Eintragungen vor. Tatsächlich bringt sie das zum Lächeln, sie schaut mich lange an und meint schließlich, dass sie mich sogar wiedererkennt. Mir wird ganz warm ums Herz. Trotzdem ist die Zeit auch über diesen Ausweis hinweggegangen und es folgt die übliche Prozedur jeder Bibliothek: Ich muss ein Formular ausfüllen, ein Digitalfoto wird erstellt und ich erhalte einen neuen Ausweis mit, eine russische Besonderheit, dem Vermerk „Ausländerin mit höherer Bildung“. Nachdem ich noch die nicht weniger heikle Herausforderung der Garderobendamen überwunden habe, bin ich drin.

Ich muss, wie gesagt, in die Abteilung historischer und künstlerischer Produktionen, der Отделение эстампов. Dorthin führt mich ein langer Gang, ausgelegt mit einem dicken Teppich, die Wände holzgetäfelt, behängt mit den ehrwürdigen Portraits früherer Bibliothekare und verdienter Wissenschaftler. Mehrfach zweigt der Weg in labyrinthartige Gänge ab, Hinweisschilder gibt es keine, gelegentlich eine Vitrine mit Rara und alten Drucken. Es ist angemessen still, mir begegnen Leser und Leserinnen, tief versunken in ihre Gedanken mit Büchern und gebundenen Mappen unter dem Arm, Computer scheinen hier nicht her zu passen. Zeichen unserer aller Verbundenheit über nationale, Alters- und Bildungsgrenzen hinweg ist der Laufzettel, den wir alle zusammen mit unserem Ausweis bei uns tragen und der allein, bestempelt durch eine autorisierte Abteilung, bei der wir nachweislich vorstellig wurden, uns den freien Ausgang vorbei an der Polizeiwache garantiert.

Eine breite, marmorne Treppe, gesäumt mit verwitterten Steintafeln mit lateinischen, hebräischen, glagolitischen und griechischen Inschriften endet schließlich in einer schummrig beleuchteten Vorhalle, eingerahmt durch zweistöckige Bücherregale, deren Empore durch gewundene Wendeltreppen erreichbar wären, wenn sie nicht für den normal Sterblichen durch eine dicke rote Kordel abgesperrt wären. Große und schwere Vitrinen beherbergen eine Ausstellung über die Geschichte der Körperkultur, sprich: Sport, in Grafik, Literatur und Presse. In der Mitte thront die diensthabende Aufsicht, die дежурная, und schaut mich prüfend über ihre Brille hinweg an. Eine gewisse Erleichterung macht sich breit, als ich sie auf russisch frage, wo die gewünschte Abteilung sich befindet. Ohne Worte weist sie mir den Weg, absurd geradezu die Vorstellung, dass man bis hierhin gekommen ist, und den Weg nicht kennt.

Noch eine Halle ist zu durchqueren, eine Flügeltür zu stemmen und vor mir liegt erneut ein langer Gang, wiederum mit Teppich belegt und gerahmt von zweistöckigen Regalen und Vitrinen. Ehrfurchtsvoll schreite ich diese ab und bewundere Stiche, Leporellos, Postkarten, Kinderbücher, Karten und viele weitere Schätze. Am Ende wartet, hinter einem hohen Tresen, die nächste Aufsicht. Die Versuche, ihr mein Anliegen zu erklären, nämlich die Sammlung von Originalfotos aus dem 19. Jh. zu sehen, scheitern bis auf weiteres. Wie vermutet, ist meine schriftliche Anfrage niemals bis in den Lesesaal durchgedrungen. Es folgt, was folgen muss: Ich fülle eine handschriftliche Anfrage an die Bibliothekarin aus, der Fall ist kompliziert, also bestenfalls in einer Woche ist mit einer Antwort zu rechnen. Ich zeige mich ergeben und kündige doch an, in zwei Tagen noch einmal vorbeizuschauen, es geschehen ja auch Wunder.

So geschieht es, ich durchwandere abermals die Gänge und stehe ohne viel Hoffnung vor dem Tresen. Dieses Mal händigt man mir mehrere Bildbände aus, in denen eben jene Fotosammlung partiell publiziert sind. Es waren jene Kataloge, die mich in den Berliner Bibliotheken auf die Spur der Sammlung gebracht und den Wunsch geweckt haben, aus der Originalsammlung Exponate für unsere Ausstellung auszuwählen. Jetzt hilft nur noch eins, ich muss zur Chefin der Abteilung durchdringen. Ein paar Telefonate bescheren mir die persönliche Mailadresse, kurz darauf habe ich eine freundliche Einladung, die für mich seit langem bereit liegende Sammlung zu sehen.

Und so verläuft mein dritter Besuch nicht nur problemlos, sondern sehr erfolgreich: Neben den Fotos bekomme ich originale Plakate, Kunstbücher und vieles mehr zu sehen einschließlich einer Fotoerlaubnis und professionellen Betreuung. Man habe schon auf mich gewartet, meine Anfrage liege ja vor, nur im Lesesaal, habe man davon offenbar nichts gewusst, erklärt sie mir in ihrem Büro, das nur durch eine Tür vom Lesesaal getrennt ist. Aber ich bin natürlich auch selber schuld: Meine ersten Besuche fielen in die abendlichen Öffnungszeiten der Bibliothek, in denen Rückfragen an die Leitung nicht möglich sind und originale Sammlungen sind eben nicht mit gewöhnlichen Büchern und Veröffentlichungen zu vergleichen, die in den anderen zahllosen Lesesälen und Abteilungen an die Leser ausgegeben werden. Ich hätte es wissen müssen nach meinen Recherchen in der Handschriften-Abteilung anno 1994/95. Vieles hat sich seitdem verändert, manches aber eben auch nicht. Heute funktioniert die Heizung zuverlässig, das Buffet hat mehrere Essen zur Auswahl, es gibt ein WiFi-Netz und eine im Prinzip frei zugängliche Kopierstelle. Irgendwie bin ich aber trotzdem froh, dass russische Bibliotheken eben doch noch eine Herausforderung bleiben und kann nur jedem empfehlen, die russische Fachliteratur stärker zu berücksichtigen.

Foto: http://partisanmag.by/?p=11846

Foto: http://partisanmag.by/?p=11846

Museen in Belarus – Zur Lage

vom 23.10.2015 16:31:17

In einem früheren Blog hatte ich es schon erwähnt und ganz neu ist es auch nicht mehr, aber ich möchte doch noch einmal auf das Sonderheft der Zeitschrift pARTisan zu den Museen in Belarus hinweisen. Publikationen zur belarussischen Museumslandschaft sind schließlich nicht allzu häufig.

In Kooperation mit dem Goethe-Institut in Minsk ist dieses Heft mit Beiträge in belarussischer und englischer Sprache erschienen. Die Einleitung bestreitet der Leiter des Goethe-Instituts in Tiflis, Stephan Wackwitz, der in den letzten Jahren das Regionalprojekt „Zeitmaschine Museum“ unter Beteiligung mehrerer prosowjetischer Länder geleitet hat. Die ansonsten belarussischen Autoren, darunter der hierzulande schon bekannte Artur Klinau, geben Einblicke in Tendenzen der Museen im Land konkrete Museen wie das neue Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges (vgl. dazu meinen eigenen Text, in dem der luzide Blick von Alaksiei Bratačkin auf das Museum bereits eingeflossen ist), die noch immer skeptische, offizielle Haltung zur zeitgenössischen Kunst oder das diesjährige Projekt auf der Biennale in Venedig (für den ich die Ehre und das Vergnügen hatte, einen Katalogbeitrag zu schreiben).

Ein ganz besonderer Beitrag ist die Fotoserie zu einem Gemälde des Künstlers Ruslan Vashkevich, „Not looking at anything“ (2013). Allein dafür lohnt sich die Lektüre!