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Makhotina

Krieg im Museum. Ein neuer Sammelband zur Erinnerung des Zweiten Weltkriegs in Museen und Gedenkstätten in Osteuropa

vom 08.01.2016 09:50:06

Nachdem das Thema Erinnerung und Gedächtnis nun schon über einen langen Zeitraum hinweg aktuell ist und immer neue Publikationen erscheinen, hatte die Wissenschaft in der Folge das Forschungsfeld „Museen und Ausstellungen“ in Westeuropa entdeckt. Ost- und Ostmitteleuropa wurden zunächst stiefmütterlich behandelt, doch seit einigen Jahren gibt es auch hier mehr Veröffentlichungen. Eine neue ist nun hinzu gekommen, hg. Vom Collegium Carolinum an der Universität München. Ich habe den Sammelband für H-Soz-Kult kürzlich rezensiert.

Foto: http://www.russkiymir.ru/news/198893/

Foto: http://www.russkiymir.ru/news/198893/

10 Jahre Deutsch-Russischer Museumsdialog

vom 22.11.2015 16:33:10

Anfang der Woche hatte ich die Ehre und das Vergnügen, zu den geladenen Gästen der Festveranstaltung anlässlich des 10jährigen Bestehens des Deutsch-russischen Museumsdialogs zu gehören. Es war dies eine gute Gelegenheit, Kollegen aus verschiedenen russischen Museen und dem Forschungsfeld „Beutekunst“ im weitesten Sinne wiederzutreffen, darunter z.B. Grigorij Kozlov und Konstantin Akinsha. Es waren die beiden, die Anfang der 90er Jahre den Stein erst ins Rollen gebracht haben, ohne an die Konsequenzen zu denken. In Russland zu Persona non grata erklärt, waren beide damals häufig an der Forschungsstelle Osteuropa in Bremen, wo ich zu der Zeit bei und mit Wolfgang Eichwede gearbeitet habe. Auch er war natürlich in Berlin.

Die Vorträge des ersten Tages waren eher unergiebig, es ging aber vermutlich auch eher um das Feiern der eigenen Erfolge. Davon gibt es in der Tat einige in Form von Rückgaben, Forschungsprojekten und – das wichtigste – der breiten Vernetzung deutscher und russischer Museumskollegen untereinander.

Trotzdem bleiben die sog. kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter und die „Beutekunst“ schwierige Themen, und der Umgang mit ihnen wird in Zeiten der abgekühlten deutsch-russischen Beziehungen auf der politischen Eben nicht leichter. Die Veranstaltung suchte ihren Weg zwischen der offenen Ansprache der Probleme und Herausforderungen auf der einen und dem kollegialen Austausch auf der anderen Seite.

Ich habe mich, im Gedenken an die Bremer Zeit, an meine Publikationen zum Thema erinnert (zusammen mit Christoph Kalb), denen die Idee einer Stiftung zugrunde lag. Der Clou war der gegenseitige Eigentumsverzicht auf der gemeinsamen kultur- und geistesgeschichtlichen Grundlage gesamteuropäischer Werte. Ich finde diese Idee noch immer aktuell, allerdings stehe ich damit vermutlich ziemlich alleine, wie die Diskussionen gezeigt haben.

10-летие Германо-Российского музейного диалога

В начале недели я имела честь и удовольствие побывать в числе приглашенных гостей на праздничном мероприятии по поводу 10-летнего существования Германо-российского музейного диалога. Это был хороший случай встретиться с коллегами из различных русских музеев, а также с исследователями в сфере „трофейного искусства“ в самом широком смысле, в том числе с Григорием Козловым и Константином Акиншей. Именно они стали „первопроходцами“ в этом деле в начале 90-х годов, не задумываясь о последствиях своей работы. Объявленные персонами нон-грата в России, они тогда часто бывали в Исследовательском центре Восточной Европы при Бременском университете, где я в то время работала у Вольфганга Айхведе. Разумеется, он также присутствовал на мероприятии в честь 10-летия Музейного диалога в Берлине.

Доклады первого дня конференции были скорее поверхностными, однако речь шла, вероятно, больше об оценке собственных успехов. Таковые действительно имеют место быть – реституции и совместные исследовательские проекты, а также – что является самым важным – образование обширной сети контактов среди немецких и русских музейных коллег.

Все же перемещенные культурные ценности и „трофейное искусство“ остаются трудными темами, и заниматься ими еще сложнее в период охлаждения германо-российских отношений в политической сфере. Мероприятие находится в поиске своей ниши между открытым обращением к актуальным проблемам и вызовам с одной стороны и коллегиальным обменом с другой.

Возвращаясь мысленно к бременским временам, я вспомнила о своих публикациях на данную тематику (совместно с Кристофом Кальбом), в основу которых была заложена идея создания фонда. Главной его особенностью является взаимный отказ от собственности на общей культурно-исторической и духовно-исторической основе общеевропейских моральных ценностей. Мне до сих пор нравится данная идея, которая, на мой взгляд, не потеряла своей актуальности и по сегодняшний день, однако мое мнение, кажется, не разделяет большинство коллег, как показали состоявшиеся дискуссии.

Foto: http://partisanmag.by/?p=11846

Foto: http://partisanmag.by/?p=11846

Museen in Belarus – Zur Lage

vom 23.10.2015 16:31:17

In einem früheren Blog hatte ich es schon erwähnt und ganz neu ist es auch nicht mehr, aber ich möchte doch noch einmal auf das Sonderheft der Zeitschrift pARTisan zu den Museen in Belarus hinweisen. Publikationen zur belarussischen Museumslandschaft sind schließlich nicht allzu häufig.

In Kooperation mit dem Goethe-Institut in Minsk ist dieses Heft mit Beiträge in belarussischer und englischer Sprache erschienen. Die Einleitung bestreitet der Leiter des Goethe-Instituts in Tiflis, Stephan Wackwitz, der in den letzten Jahren das Regionalprojekt „Zeitmaschine Museum“ unter Beteiligung mehrerer prosowjetischer Länder geleitet hat. Die ansonsten belarussischen Autoren, darunter der hierzulande schon bekannte Artur Klinau, geben Einblicke in Tendenzen der Museen im Land konkrete Museen wie das neue Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges (vgl. dazu meinen eigenen Text, in dem der luzide Blick von Alaksiei Bratačkin auf das Museum bereits eingeflossen ist), die noch immer skeptische, offizielle Haltung zur zeitgenössischen Kunst oder das diesjährige Projekt auf der Biennale in Venedig (für den ich die Ehre und das Vergnügen hatte, einen Katalogbeitrag zu schreiben).

Ein ganz besonderer Beitrag ist die Fotoserie zu einem Gemälde des Künstlers Ruslan Vashkevich, „Not looking at anything“ (2013). Allein dafür lohnt sich die Lektüre!

Das Militärmuseum in Budapest. Foto: http://www.militaria.hu/

Das Militärmuseum in Budapest.
Foto: http://www.militaria.hu/

Museumsstreifzüge – Folge 2

vom 27.09.2015 14:11:13

Mein zweiter Ausflug in die unendlichen Weiten unbekannter Museen – und diesem war auch der unten angefügte, zweite Text in der Mitarbeiterzeitung des DHM gewidmet – führte mich 2002 nach Budapest ins dortige Militärmuseum und das Nationalmuseum. Auch dorthin musste ich seitdem leider nicht noch einmal zwecks Recherchen. Es gebietet also das Minimum an Höflichkeit, die aktuellen Internetauftritte der genannten Museen zu besuchen, um meine veralteten Beobachtungen als solche zu entlarven.

Dabei stellt sich allerdings sogleich die Frage, ob mein damaliges Urteil über Ungarn – nämlich die Fahne westlich-zivilisierter Sitten und Gebräuche in mitten des östlichen Europas hochzuhalten – nicht eher entgegengesetzt korrigiert werden muss. Immer vorausgesetzt, als „westlich-zivilisiert“ zu gelten sei erstrebenswert, erhält Ungarn ja wohl schon seit einigen Jahren erheblichen Punktabzug, was den Umgang mit der Kultur im eigenen Land angeht. Ganz anders freilich sehen es wohl die meisten Ungarn selber, wenn man zudem noch die aktuelle Anwendung „westlich-zivilisierter“ Standards in der nationalen Willkommenskultur in den Blick nimmt. Aber das ist natürlich ein anderes Thema.

Trotzdem passt dazu irgendwie die, wie ich finde, durchaus überraschende Feststellung, dass das Militärmuseum es offenbar bis heue nicht zu einer Website in einer über die Landesgrenzen hinaus gebräuchlichen Sprache gebracht hat. Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Oder hat das am Ende mit dem Wandel im Land zu tun und war früher einmal anders?

Für das Nationalmuseum verspricht mir der Wikipedia-Eintrag eine Homepage auf ungarisch, deutsch, englisch, italienisch und spanisch (Stand 2008!). Falls es nicht an meinem technischem Unvermögen liegt, was ich natürlich nicht ausschließen kann, dann wurde die aktuelle Version der Website auf ungarisch und englisch reduziert. Ein Schelm, wer einen Rückzug aus Europa und das maximale Zugeständnis an die Sprache der britischen Europaskeptiker darin erkennen möchte. Oder ob es doch daran liegt, das noch immer keiner verstanden hat, was es mit Trianon auf sich hat?

Hier geht’s zum Text.

Blick in die Ausstellung, 2002

Blick in die Ausstellung, 2002

Museumsstreifzüge

vom 20.09.2015 13:38:28

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit besteht in der Recherche nach Exponaten in russischen, belarussischen und anderen (osteuropäischen) Museen. Angefangen hat das damals mit der Ausstellung zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (2004), als ich zwischen 2001 und 2003 im Auftrag des Deutschen Historischen Museums nach Russland, in die Ukraine, nach Litauen, Ungarn und Serbien gefahren bin, um Leihgaben zu recherchieren, die wir später in der Ausstellung gezeigt haben.

Diese Erfahrungen waren Gold wert, seitdem bin ich immer wieder für verschiedene Museen unterwegs, um Exponate zu suchen. Allmählich kenne ich viele russische Sammlungen ziemlich gut, noch wichtiger sind aber die persönlichen Kontakte zu den Kollegen. Schon bald werde ich für ein neues Projekt wieder nach Russland Belarus und in die Ukraine aufbrechen.

Das eine sind die Ergebnisse der Exponatsuche, das andere die (inter-)kulturellen Eindrücke, die ich dabei sammele. Diese will ich hier in einer neuen Reihe unter dem Schlagwort „Museumstreifzüge“ veröffentlichen. Zur Einstimmung beginne ich mit früheren Texten, die damals in der Mitarbeiter-Zeitung des DHM erschienen sind. Den Anfang macht das Museum der Grenzregimenter in Moskau – ein unwiederbringliches Erlebnis. Vermutlich hat sich vieles seitdem in dem Museum geändert, wenn ich mich nicht täusche schon allein die Unterordnung unter den FSB, die es damals noch nicht gab. Leider hatte ich nach meinem Besuch 2002 nichts mehr mit dem „Museum der Grenzregimenter“ zu tun – schade eigentlich!

Hier geht’s zum Text.

Foto: http://minsknews.by/blog/2015/08/29/v-minske-predstavili-12-strategiy-sovremennogo-belorusskogo-iskusstva/

Foto: http://minsknews.by/blog/2015/08/29/v-minske-predstavili-12-strategiy-sovremennogo-belorusskogo-iskusstva/

Museumsnews Belarus

vom 06.09.2015 16:41:09

Jedes Mal, wenn ich nach Belarus fahre, um Freunde und Kollegen zu treffen, wird mir die ganze Tragik der Berichterstattung über dieses Land erneut vor Augen geführt. Diese lässt sich, unbeeindruckt von der Ukraine-Krise, der jüngsten Freilassung aller (!) politischen Gefangenen und einer im Detail durchaus differenzierten Entwicklung, mit den Worten zusammenfassen „Im Osten nichts Neues“. Dies entspricht in der Tat dem nach außen sichtbaren Bild, und was die Museen betrifft, sagte mir die Kuratorin Olga Rybchinskaja, dass sich seit Jahren eigentlich nichts tut, es geht nicht vor und nicht zurück. Jeder macht, so gut es geht, „sein Ding“, realisiert Projekte, treibt Geld auf und nutzt den vorhandenen Freiraum für sich.

Was pragmatisch klingt und angesichts der stagnierenden politischen Situation auch ist, bildet die Realität aber nur zu einem Teil ab und darüber wird bei uns so gut wie nie berichtet. Die Menschen sind voller Energie, entwickeln immer neue Ideen und Initiativen, setzten unermüdlich neu an und bewahren neben Geduld und Pragmatismus nicht zuletzt Spaß an ihrer Arbeit und Lebensfreude.

Ich kann das freilich nur für den Museumsbereich beurteilen, dort gib es allerdings viele Beispiele. Allen voran das Nationale Historische Museum. Hier ist die Lage weiterhin desolat, etwas substantiell Neues gibt es nicht zu berichten: Das Gebäude in der Karl-Marx-Straße ist zu klein, in schlechtem Zustand, eine zusammenhängende Dauerausstellung fehlt, die Sonderausstellungen leiden häufig an Professionalität. Im letzten Jahr kam es noch schlimmer: Die Sammlungen, größtenteils untergebracht im alten Gebäude des Museums der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges (GVK) gelagert, das für den Abriss bestimmt war, mussten umziehen und befinden sich seitdem an fünf Standorten in der Stadt, deren Bedingungen man erst gar nicht näher beleuchten möchte. Nun ist der Geduldsfaden gerissen, die Leitung hat sich, sozusagen, als letztes Aufgebot, an die Regierung gewandt, diesen Zustand zu beenden. Die Presse hat ausführlich über den Verfall des nationalen Kulturerbes berichtet (Культура 35 (1213), 29.8.2015) und man wünscht sich, dass die Öffentlichkeit aufgerüttelt wird. Nachdem sich schon der Umzug in ein neues Gebäude vor einigen Jahren erledigt hat, weil man dort nach Jahren der Neukonzeption des Museums doch lieber eine Sicherheitsbehörde untergebracht hat, träumen die Kollegen nun von einem Neubau an der Stelle, wo das alte Gebäude des Museums GVK in der Zwischenzeit abgerissen wurde. Vermutlich wird das leider ein Traum bleiben.

Eher ein Albtraum war dagegen wohl der Umzug des Museums GVK. Nachdem der Direktor, Vitalij Skobeljov, die Herkulesaufgabe der Neueröffnung 9. Mai 2014 kurzfristig von dem kurzerhand gefeuerten Sergej Azaronok übernommen hatte, ist ihm nun offenbar klar geworden, dass es mit der Eröffnung nicht getan ist und die eigentlichen Probleme der Bauabnahme, der Anpassung der unter Druck eröffneten Ausstellung und vor allem der Aufrechterhaltung des öffentlichen Interesses jenseits der Jahrestage jetzt erst anstehen. Das will er sich, wer will es ihm verdenken, nicht antun und hat gekündigt. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen. Der alte Direktor zieht seine Fäden.

Eine Konstante, um nicht zu sagen: Fossil des Museumsbetriebs ist derweil der Direktor des Nationalen Kunstmuseums Vladimir Prokopcov, der ungeachtet aller Herausforderungen mit bewundernswerter Konsequenz seine Idee des Museumsquartals rund um das zentrale Gebäude seines Hauses verfolgt. Offenbar geht es gut voran, geplant sind weitere Ausstellungsflächen, ein zentraler Servicebereiche und ein nationales Restaurierungszentrum.

Eine bislang verschlagene Filiale des Kunstmuseums erwacht derweil unter seinem neuen Direktor zu seinem Leben, das Museum „Haus der Vankovichi“ . Dort herrscht seit kurzem Sergej Vecher, vormals Direktor des Nationalen Historischen Museums, wo das Kulturministerium ihn wegen des freilich von ihm nicht verursachten abgesagten Umzugs in das oben genannte Gebäude gefeuert hat. Nun hat er eine lange Liste neuer Ideen für das Herrenhaus aus 18./19. Jh. und will es zu einem zentralen Begegnungsort in Minsk machen.

Ein Treffpunkt für die junge Kunstszene ist schon seit längerem das Zentrum für zeitgenössische Kunst geworden, das nun zum 1. Oktober mit dem Museum für zeitgenössische Kunst zusammengeführt wird. Leiterin wird weiterhin Natalja Scharangovich sein, die Grande Dame der aktuellen Kunst- und Künstlerszene, die seit Jahren unermüdlich daran arbeitet, ihre Landsleute an Gegenwartskunst zu gewöhnen. Dazu gehört aktuell ein Skulpturenpark im „Park des Sieges“, der belarussische Pavillon auf der Biennale in Venedig und die Eröffnung einer großen Ausstellung „12 Strategien“ mit Arbeiten der zwölf renommiertesten belarussischen Gegenwartskünstler. Diese Ausstellung verdankt die Stadt Minsk einer Absage der Chinesen, wohin die Arbeiten eigentlich schon gereist sein sollten. Ob dieser Plan aufgehoben oder aufgeschoben ist, ist unbekannt. Ein Katalog auf belarussisch, englisch und chinesisch liegt vor, man steht in den Startlöchern. Auch in Polen ist belarussische zeitgenössische Kunst zu besichtigen, derzeit in einer Ausstellung in Bialystok.

Angesichts dieser Vielfalt ist es bedauerlich, dass ICOM Belarus kaum in Erscheinung tritt, was nicht zuletzt daran liegt, dass Museen nicht Mitglied werden dürfen und der Beitrag für Einzelpersonen oft zu hoch ist, aber auch an den unvermeidlichen Intrigen unter den Museumsdirektoren und anderen Kollegen.

Folglich hat nicht ICOM, sondern die Redaktion des Kulturmagazins Arche ein wunderbares Museumsheft herausgebracht, das einen durch das Prisma kritischer Autoren ein Schlaglicht auf die aktuelle Museumslandschaft wirft. Unter den Autoren ist freilich kein Museumsmitarbeiter und so gerät der Blick eher philosophisch-kulturwissenschaftlich, was das Verdienst, diese Thema in einem Sonderheft aufgegriffen zu haben, nicht schmälert.

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Das neue Museum des „Großen Vaterländischen Krieges“ in Minsk

vom 19.08.2015 10:57:30

Das 2014 wiedereröffnete „Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges“ in Minsk scheint das hierzulande weit verbreitete Bild von Belarus zu bestätigen: Das Land, sein Präsident und die Bevölkerung sind in der Sowjetunion stehengeblieben. Aber der Schein trügt, bei näherer Betrachtung entdeckt man überall Ambivalenzen und Zwischentöne, die fast alle Bereiche von Politik und Gesellschaft in der „letzten Diktatur Europas“ ausmachten. Dies spiegelt auch das Museum eindrücklich wieder: Der alte Partisanenmythos wird geradezu liebevoll geprägt, schwierige Themen wie die Stalinschen Repressionen praktisch ausgespart und die ruhmreiche Sowjetunion enthusiastisch gefeiert. Und doch setzt sich die Entwicklung fort, die schon in der Ausstellung im alten Gebäude begonnen hatte: Der zunehmend differenzierte Einsatz musealer Vermittlungsformen begleitet die, zugegeben sehr zögerlichen inhaltlichen Entwicklungen, und öffnen damit ein Feld kritischer Auseinandersetzung, das zu erweitern sich lohnt. Wie genau das Museum mit dem ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umgeht, ist Gegenstand meiner Analyse, die kürzlich in Zeitgeschichte-Online erschienen ist. Eine ausführliche Version des Textes findet sich hier.