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Foto: http://www.hlz.hessen.de/start/nachlese/rueck-2015/rueck-8mai.html

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Die Erinnerung an den 8. Mai 1945 in Europa – Neue Publikation

vom 15.07.2016 14:04:21

Der 70. Jahrestag des Kriegsendes steht in der öffentlichen Wahrnehmung schon längst wieder im Schatten neuer Ereignisse. So ist es immer ein wenig schade, dass Dokumentationen von aktuellen Tagungen häufig mit einer sehr großen Verspätung, in diesem Fall nach über einem Jahr, erscheinen. Dennoch möchte ich hier auf die Herausgabe des Tagungsbandes durch die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung aufmerksam machen: Bernd Heidenreich, Evelyn Brockhoff, Andreas Rödder (Hgg.): „Der 8. Mai im Geschichtsbild der Deutschen in ihrer Nachbarn“, Dokumentation des Symposiums der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung am 21.4.2015 in Frankfurt a.M., Wiesbaden 2016.

Durch die Verzögerung ist es kaum möglich, in den Texten die jüngsten Ereignisse und Publikationen zu berücksichtigten. Erst mit dem Erscheinen fällt auf, wie schnell sich manche Themen weiterentwickeln. Im Falle des Textes, den ich zu dieser Veröffentlichung beitragen konnte („‘Großer Vaterländischer Krieg‘. Sowjetische Erinnerungsmuster im Kriegsgedenken in Russland und Ostmitteleuropa“), betrifft das insbesondere die Ukraine, wo ich selbst in diesem Jahr am 8. und 9. Mai beobachten konnte, wie sich die Kriegserinnerung weiter verändert. Aber auch der 75. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni, der dieses Jahr in Russland weit aufwendiger begangen und politisch instrumentalisiert wurde als in früheren Jahren, zeigt die anhaltende Aktualität von Erinnerung und Geschichtspolitik in Ost- und Ostmitteleuropa.

Foto: http://www.phoenix.de/content/1113663

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TV-Diskussion „History Live“: „Unternehmen Barbarossa – Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg?“

vom 23.06.2016 17:59:12

Das „Unternehmen Barbarossa“ und die Erinnerung daran war das Thema der aktuellen Sendung des Fernsehhistorikers Guido Knopp in der Reihe „History Live“, einer Diskussionsrunde zu aktuellen Fragen der Geschichte auf Phoenix. Daran zusammen mit Jörg Baberowski und Sönke Neitzel teilzunehmen hatte ich die Ehre und das Vergnügen: Zu sehen bei Phoenix und youtube

Обсуждение в телевидении „History Live“: „Операция Барбаросса – поворотный пункт Второй мировой войны?“

„ Операция Барбаросса “ и воспоминание о ней было темой актуальной передачи историка Гуидо Кноппа в серии „History Live“ в телевидении, дискуссионная программа по актуальным вопросам истории на Phoenix. У меня была радость и честь принимать участие вместе с Йоргом Баберовским и Зенке Найцель: Смотреть можно здесь Phoenix и youtube

Foto: https://www.phoenix.de/content/986004

Foto: https://www.phoenix.de/content/986004

75 Jahre Überfall auf die Sowjetunion – 19. Juni, 13.00 Uhr auf Phoenix

vom 05.06.2016 11:06:09

Das „Unternehmen Barbarossa“ und die Erinnerung daran ist das Thema der nächsten Sendung des Fernsehhistorikers Guido Knopp in der Reihe „History Live“, einer Diskussionsrunde zu aktuellen Fragen der Geschichte auf Phoenix. Daran zusammen mit Jörg Baberowski und Sönke Neitzel teilzunehmen hatte/habe ich die Ehre und das Vergnügen: Die Aufnahme letzte Woche war lebendig und interessant, wie überhaupt die Erfahrung, bei der Sendung mal dabei zu sein. Zu sehen ist das Produkt am Sonntag, den 19. Juni um 13.00 Uhr bei Phoenix!

Das erste von vier „Universalen“ der ukrainischen Regierung 1917/1918. Das vierte erklärte die nationale Unabhängigkeit https://ru.wikipedia.org/wiki/Универсалы_Центральной_рады

Das erste von vier „Universalen“ der ukrainischen Regierung 1917/1918. Das vierte erklärte die nationale Unabhängigkeit https://ru.wikipedia.org/wiki/Универсалы_Центральной_рады

Auf den Spuren der Revolution… in Kiew

vom 12.05.2016 18:42:50

Dass es „die“ russische Revolution nicht gegeben hat, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Ich merke das immer daran, dass bei der Frage „welche Revolution?“ die russischen Kollegen alternativ zu 1917 auch 1905 im Blick haben, in der Bundesrepublik sozialisierte Historiker zwischen Februar und Oktober unterscheiden und dann noch diskutieren, was davon überhaupt eine Revolution gewesen sei und die mit der DDR-Forschung aufgewachsenen Kollegen gar nicht fragen und sowieso an die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ denken.

Alles ganz anders ist es natürlich in der Ukraine. Aktuell befinde ich mich hier zu Recherchen für die Revolutionsausstellung(en) in Zürich und Berlin. Es war durchaus strittig, ob diese Reise nötig ist und ich bin froh, dass es nun möglich ist, ukrainische Kollegen in die Vorbereitungen mit einzubeziehen. Kontakte bestehen zum Nationalen Film- und Fotoarchiv, dem Nationalen Historischen Museum und einigen Historikerkollegen von der Akademie, der Universität oder auch dem Institut für nationales Gedenken.

Angesprochen auf die Revolution fragt man sich hier als erstes, warum das überhaupt von Interesse sein sollte, da dabei ja doch nur (wieder) die russische Dominanz herausgekommen ist. Wenn man dann aber doch tiefer einsteigt, stößt man auf Begeisterung für die nationale Bewegung, die die Ukraine damals schon beinahe zu einem unabhängigen Staat gemacht hätte. Folglich spricht man dann auch von der „ukrainischen Revolution“.

Diese zu durchschauen, also die politischen Strömungen und Parteien sowie die wechselvolle Herrschaft über das ukrainische Gebiet in dieser Zeit, ist praktisch aussichtslos. Allein Kiew war, so liest man bei Michail Bulgakov,  bis zu 14 Mal von den Roten, den Deutschen, den Partisanen, den Weißen, anarchistischen Truppen u.a. besetzt.

Daraus ergibt sich für mich die Herausforderung, diese sehr spezifische, ukrainische Entwicklung der Jahre 1917 bis 1922 in der Ausstellung anzusprechen, zumal sie für das Verständnis der Erinnerungskultur in der Ukraine und auch den Konflikt im Osten des Landes unabdingbar sind. Nicht jeder hat das Glück, eine so spannende Arbeit zu haben!

Übersichtsplan zum Gedenkkomplex Trostenec, 2014

Übersichtsplan zum Gedenkkomplex Trostenec, 2014

Erinnern an Malyj Trostenec

vom 20.03.2016 16:07:58

Die Wanderausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers in Trostenec nimmt konkrete Formen an. Auf unserer letzten Beiratssitzung im Februar in Minsk haben wir die Ausstellungsstruktur, Texte und erste Gestaltungsentwürfe diskutiert. Sie soll noch in diesem Jahr in Berlin eröffnet werden.

Ein großer Schritt ist auch die Unterzeichnung des Vertrages zwischen dem städtischen Baubüro «Minskprojekt» und der Achitekturwerkstatt von Galina Levina. Die Tochter von Leonid Levin wird dessen Entwurf für den Teil der Gedenkstätte in der Blagovščina ausführen. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Levina hatte sich wiederholt kritisch über die Arbeit der Behörden an dem Projekt geäußert.

Über das Gesamtprojekt informiert das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund auf seiner Website und die Geschichtswerkstatt in Minsk in seiner Broschüre. Über den Kontext dieses historischen Ortes in der belarussischen Erinnerungslandschaft sprach ich kürzlich mit dem Journalisten Cornelius Wüllenkemper. Sein Feature „Schwierige Erinnerungen: Demokratie und Gedenken in Belarus“ war am 1. März 2016 im ORF zu hören.

Repressij

Zur Geschichte der Repressionen in Belarus – Ein virtuelles Museum

vom 31.01.2016 14:16:58

Politische Repressionen in der Sowjetunion hat es nicht gegeben – репресий нет. Ganz so kategorisch ist der offizielle Standpunkt auch nicht mehr, aber das Thema wird außerhalb wissenschaftlicher Kreise noch immer tabuisiert. Hier ist Belarus deutlich rigoroser als Russland, wo der Umgang mit den stalinschen Repressionen äußerst widersprüchlich ist. In Belarus erinnert nun ein virtuelles Museum an die Verbrechen.

So bezeichnen es die Mitglieder der Projektgruppe, eine bunte Truppe verschiedener Berufe mit großem persönlichem Engagement. Ich hatte 2013 mit der Gruppe an dem Projektmanagement des Vorhabens gearbeitet. Umso mehr freue mich mich, dass die Website nach jahrelanger Arbeit jetzt online ist! Eigentlich ist es eher ein Informationsangebot, als ein virtuelles Museum. Im Zentrum stehen Biographien und individuelle Schicksale, die mit Videos, Tondokumenten und persönlichen Materialien aufbereitet sind. Über eine Suchfunktion kann man nach konkreten Personen suchen. Darüber hinaus erschließen sieben Themenbereiche weiterführende Informationen, mit kurzen Texten und meist bereist publiziertem Material, deren Quellen leider nicht angegeben sind. Die Gestaltung ist professionell und übersichtlich.

Der Name bzw. die Adresse der Website ist Programm ihrer Autoren: Репрессий нет – es gibt keine Repressionen im öffentlichen Diskurs des Landes. Das Angebot besteht in belarussisch und in einigen Teilen russisch und englisch zur Verfügung, es wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung Belarus gefördert und kooperiert mit den Initiatoren des Portals für Oral history: Auch dieses Projekt, das auf die wissenschaftliche Arbeit einer Gruppe von Historikern zurückgeht, hatte und hat mit vielen Widerständen zu kämpfen. Beide Webprojekte sind wichtige Beiträge in dem noch immer restriktiven akademischen Umfeld.

Foto: http://www.pic.com.ua/serebryanaya-svadba-po-belorussky-yly-welkome-to-kabaret.html

Foto: http://www.pic.com.ua/serebryanaya-svadba-po-belorussky-yly-welkome-to-kabaret.html

Die Revolution und Trostenec…

vom 22.01.2016 19:39:02

… gleich zwei meiner aktuellen Themen spricht die Sängerin Svetlana Ben‘ von der belarussischen Gruppe „Silberhochzeit“ in einem gerade erschienenen Interview an. Welche Faszination die Revolution von 1917 offenbar auch auf Kinder ausübt, belegt ihr Geständnis, bereits mit sechs Jahren auf der Haustreppe ein Theaterstück dazu entwickelt zu haben. Man kann es sich lebhaft vorstellen, wenn man die Künstlerin heute auf der Bühne sieht! Und Trostenec ist für sie ein Symbol der noch immer verdrängten Erinnerung an die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges, die jenseits aller Schrecken der deutschen Besatzungsherrschaft, von den eigenen Machthabern verübt wurden. Was könnte eine stärkere Motivation sein, im IBB weiter an unserer Wanderausstellung für deutsche und belarussische Schüler zu arbeiten? Es ist bezeichnend, dass die Frage der Erschießungen durch den NKWD auf dem Gelände von Trostenec vor dem Einmarsch der Deutschen von Anfang an zu kontroversen Diskussionen geführt hat. Nicht locker in dieser Frage lässt der Historiker Igor Kuznecov. Auch wenn das offiziell keiner hören will, so lässt sich offenbar nicht verhindern, dass das Thema über andere Wege, wie dieses Interview, Verbreitung findet.

Революция и Тростенец …

… два моих актуальных тем – являются предметами в новом интервью певица Светланой Бень белорусской команды „Серебряная свадьба“. Каким увлечением, кажется, оказывает революция 1917 г. для детей – об эом свидетельстует ее признание, что она уже в шестилетнем возрасте устроила ее собственную пьесу по этой теме. Это не сложно себе представить смотря на ее сегодня на сцене! И Тростенец для нее является символом репрессированного памяти о преступлениях Второй мировой войны, какие, несмотря на все ужасы немецкой оккупации, были совершены советской властью. Какая может быть сильнее мотивация для продолжения работы над нашей передвижной выставкой для немецких и белорусских школьников? Правда, надо отметить, что вопрос о расстрелах НКВД на территории Тростенца до нападения немецких войск вызвал острые дискусии с самого начала. Постоянно об этом пишет историк Игорь Кузнецов. Хотя официально никто не хочет его слышать, кажется тема распостраняется по другим путям, например через интервью.

Makhotina

Krieg im Museum. Ein neuer Sammelband zur Erinnerung des Zweiten Weltkriegs in Museen und Gedenkstätten in Osteuropa

vom 08.01.2016 09:50:06

Nachdem das Thema Erinnerung und Gedächtnis nun schon über einen langen Zeitraum hinweg aktuell ist und immer neue Publikationen erscheinen, hatte die Wissenschaft in der Folge das Forschungsfeld „Museen und Ausstellungen“ in Westeuropa entdeckt. Ost- und Ostmitteleuropa wurden zunächst stiefmütterlich behandelt, doch seit einigen Jahren gibt es auch hier mehr Veröffentlichungen. Eine neue ist nun hinzu gekommen, hg. Vom Collegium Carolinum an der Universität München. Ich habe den Sammelband für H-Soz-Kult kürzlich rezensiert.

Foto: http://ibb.by/educational-program/journal/news

Foto: http://ibb.by/educational-program/journal/news

Erinnerungskultur auf belarussisch

vom 20.12.2015 06:56:52

Dieses bei uns schon länger aktuelle Thema kommt allmählich auch in Belarus an. Am vergangenen Mittwoch habe ich, wie angekündigt, eine Podiumsdiskussion in Minsk zu der Frage geleitet: „Welche Erinnerungskultur braucht die belarussische Gesellschaft. Die Rolle der Medien“. In diesem Rahmen wurde eine Publikation vorgestellt, die Reportagen und Berichte von jungen Journalisten verschiedener Medien zur Erinnerungskultur und Geschichtspolitik umfasst: „Erinnerungskultur – professionelle Standards und Praktiken für die Aufbereitung historischer Themen in den Massenmedien“, hg. von Marina Zagorskaja für das IBB Minsk, 2015 (Культура памяти – профессиональные стандарты и приемы в освещении исторической тематики в СМИ).

Sowohl die Publikation als auch die Podiumsdiskussion machen deutlich, dass die Beschäftigung mit dem Thema ganz am Anfang steht. Mein Eindruck ist, dass schon der Begriff viele Fragen aufwirft. Gesprochen und geschrieben wird meist über Geschichte, kaum über die Art und Weise, wie wir uns daran erinnern – sollen/wollen. Hinzu kommt, dass sich die Diskussion thematisch auf die Erinnerung an den Krieg beschränkt, womit schnell die häufig zementierten Meinungen den Austausch bestimmen. Aber genau das ist ja Erinnerungskultur, darin waren wir uns dann auch auf dem Podium einig. Möge die Publikation ein Anfang sein, diese Kultur zu entwickeln.

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Das neue Museum des „Großen Vaterländischen Krieges“ in Minsk

vom 19.08.2015 10:57:30

Das 2014 wiedereröffnete „Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges“ in Minsk scheint das hierzulande weit verbreitete Bild von Belarus zu bestätigen: Das Land, sein Präsident und die Bevölkerung sind in der Sowjetunion stehengeblieben. Aber der Schein trügt, bei näherer Betrachtung entdeckt man überall Ambivalenzen und Zwischentöne, die fast alle Bereiche von Politik und Gesellschaft in der „letzten Diktatur Europas“ ausmachten. Dies spiegelt auch das Museum eindrücklich wieder: Der alte Partisanenmythos wird geradezu liebevoll geprägt, schwierige Themen wie die Stalinschen Repressionen praktisch ausgespart und die ruhmreiche Sowjetunion enthusiastisch gefeiert. Und doch setzt sich die Entwicklung fort, die schon in der Ausstellung im alten Gebäude begonnen hatte: Der zunehmend differenzierte Einsatz musealer Vermittlungsformen begleitet die, zugegeben sehr zögerlichen inhaltlichen Entwicklungen, und öffnen damit ein Feld kritischer Auseinandersetzung, das zu erweitern sich lohnt. Wie genau das Museum mit dem ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umgeht, ist Gegenstand meiner Analyse, die kürzlich in Zeitgeschichte-Online erschienen ist. Eine ausführliche Version des Textes findet sich hier.