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Foto: Wikipedia

В Москву!

vom 30.01.2019 16:40:36

Nun ist es also wieder soweit: Wir ziehen um. Lange schon war es im Gespräch, ebenso lange hat die Bürokratie gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen. Dieses Mal soll es nun also die russische Hauptstadt sein. Ich freue mich sehr, bin gespannt und habe den Kopf voller Ideen und neuer Projekte!

Angesichts der politischen Lage weht vermutlich für diesen Posten ein anderer Wind als damals in Minsk, wo wir 2010-2013 gewohnt und gearbeitet haben. Auf das politische Parkett will ich mich gar nicht begeben, umso mehr möchte ich meine bestehenden Beziehungen in den Kultur- und Museumsbereich stärken und neue Kontakte knüpfen. Als Historikerin schmerzt und schockiert es mich, jenseits aller Zuschreibungen, dass wir das, was wir zwischen Deutschland und Russland nach dem Zeiten Weltkrieg mühsam erreicht haben, so schnell verspielen können.

Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass wir im Gespräch bleiben und zusammenarbeiten müssen. Meinen Teil trage ich mit meinen Aktivitäten dazu bei und freue mich auf die Fortsetzung alter und auf neue Kooperationen mit den russischen Kollegen. An dieser Stelle werde ich wieder, wie damals Minsk, unser Expat-Leben kommentieren und meine Erfahrungen teilen.

Das beginnt dem bürokratischen Hürdenlauf, den wir derzeit ganz nach dem Vorbild von „Asterix erobert Rom“ absolvieren: Was für den Gallier der „Passierscheins A 38“ und der „Passierschein A 39, wie er im neuen Rundschreiben B 65 festgelegt ist“, sind für uns die Akkreditierung, die Versetzungsverfügung, die Diplomatenpässe und vieles mehr, was unsere Ausreise bisher unmöglich macht und wohl auch noch verzögern wird. Hoffen wir, dass das ganze ebenfalls ein Happy End hat und wir nicht, wie der Präfekt, den Verstand verlieren. Das Abenteuer beginnt…


„The Forgotten Front“ – nominiert für den Tomlinson-Preis der World War One Historical Association (WW1HA)

vom 10.01.2019 16:40:16

Noch immer steht die Forschung zur Ostfront des Ersten Weltkrieg im Schatten der westlichen Kriegsschauplätze. Zwar sind seit dem 10. Jahrestag 2014 viele zahlreiche Publikationen erschienen. Offenbar gilt das aber nicht für den englischsprachigen Raum, konkret die US-amerikanische Forschung.

Dafür spricht jedenfalls, dass der Sammelband des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (heute Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) aus dem Jahre 2004 praktisch ohne Änderungen oder Aktualisierungen kürzlich ins Englische übersetzt und sogleich für den im Titel genannten Preis nominiert worden ist.

Ich habe darin einen Beitrag über den Moskauer Brüderfriedhof publiziert, der 2004, also zum 90. Jahrestag, als wir die erste große Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im DHM gemacht haben, noch weitgehend unbekannt war. Seitdem ist viel passiert: Das Gelände deutlich erweitert und umgestaltet, neue Gedenksteine aufgestellt und der Friedhof wieder in das offizielle Gedächtnis zurückgekehrt. Das hätte ich gerne in den Text eingearbeitet, aber mit Mühe und Not konnte ich eine einzige Fußnote am Ende des Textes platzieren, die auf den Forschungsstand des Beitrags von 2004 und die nachfolgenden Entwicklungen hinweist. Dazu gehört nicht weniger als ein Paradigmenwechsel in der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Russland. Für die amerikanischen Leser scheint jedoch selbst der überholte Stand der Forschung einen Erkenntnisgewinn zu bringen, was insgesamt dafür spricht, dass es zur Ostfront noch immer einen Nachholbedarf gibt.

Foto: http://www.uni-giessen.de/ueber-uns/pressestelle/pm/pm223-18

Deutsch-belarussische Historikerkommission

vom 10.12.2018 15:27:08

Am 12. und 13.12.2018 findet in Gießen zur Bildung einer deutsch-belarussischen Historikerkommission eine erste Konferenz statt, zu der ich eingeladen bin. Die Initiative, außer für den fachlichen Austausch mit Russland und der Ukraine, auch für Belarus eine Kommission ins Leben zu rufen, ging im Sommer von Bundespräsident Steinmeier aus, als dieser zur Eröffnung des letzten Abschnitts der Gedenklandschaft in Maly Trostenez war.

Nun werden deutsche und belarussische Historiker*innen zunächst in Gießen, im Frühjahr 2019 in Minsk über gemeinsame Themen und Forschungsdefizite diskutieren. Im Anschluss wird die Zusammensetzung der Kommission festgelegt. Die Federführung liegt bei der DGO.

Am Vorabend der Tagung, am 11. Dezember, wird um 18.00 Uhr unsere Wanderausstellung zu Maly Trostenez in der Kongresshalle am Berliner Platz in Gießen eröffnet.

Auf dem Minsk-Forum der dbg, 23.11.2018

Minsk-Forum 2018 und die Deutsch-belarussische Gesellschaft

vom 01.11.2018 15:20:27

Vom 22.-24. November fand das XVI. Minsk-Forum zum Thema „Dialog, Entwicklung und Digitalisierung“ im IBB in Minsk statt. Das Programm ist auf der neugestalteten Website der deutsch-belarussischen Gesellschaft zu finden. Die Neukonzeption des Internet-Auftritts ebenso wie die Planung und Moderation der Kultursektion auf dem Forum sind die beiden Schwerpunkte, denen ich mich in meinem ersten Jahr als Vorstandsmitglied in der dbg gewidmet habe.

Bei dem Panel zum Thema „Kultur 4.0: Auf dem Weg in die Zukunft“ waren Alla Stashkevich (freiberufliche Museumsexpertin und ehemalige Vorsitzende von ICOM Belarus), Iwona Reichardt von der internationalen Zeitschrift „New Eastern Europe“, Alexander Susha (stellv. Direktor der Staatsbibliothek Belarus), Jakob Racek (Leiter des Goethe-Instituts in Minsk) sowie Alexander Zimenko (Kunsthistoriker und Kurator, Leiter der Kunstsammlung der BelGazPromBank) dabei. Auf englisch und russisch haben wir lebhaft über die Chancen und Risiken der Digitalisierung für die verschiedenen Sparten des Kulturbereichs diskutiert.

Berichte zum Forum:
Belrynok
Deutsche Welle
Belarussische Nationalbibliothek (russisch und englisch)

Seit 2014 erinnert ein Denkmal auf dem Verneigungshügel in Moskau an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges.
Foto: http://pobeda.ru/v-moskve-otkryili-pamyatnikam-geroyam-pervoy-mirovoy-voynyi.html

Aktuelles zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

vom 19.10.2018 15:20:22

Am 23. Oktober habe ich in Moskau an einer Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Erinnerungskulturen im Gespräch“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg teilgenommen. In die Residenz des deutschen Botschafters waren außerdem Jurij Petrow, Direktor des Instituts für Russische Geschichte der Akademie der Wissenschaften, für einen Einführungsvortrag sowie Sandra Dahlke, die neue Direktorin des DHI in Moskau, Natalja Rostislavleva, Direktorin des russisch-deutschen Lehr- und Forschungszentrums an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität in Moskau und Nikita Sokolow, stellvertretender Direktor der Jelzin-Zentrums in Jekaterinburg zur Diskussion geladen. Die Moderation lag bei Jens Siegert.

Im Fokus der Reihe des VdK stehen die jeweiligen Erinnerungskulturen und wie diese in aktuelle Europafragen einfließen. Bei der Frage einer breitenwirksamen Vermittlung der Erinnerung können Ausstellungen, museale Exponate und die Zusammenarbeit der beteiligten Museen Auskunft über den Stand der Gegenwartswirkung und -wahrnehmung geben. Mit diesen Fragen habe ich mich mit Blick auf Russland und Deutschland sowohl in den Ausstellungen des Deutschen Historischen Museums 2004 und 2014 zum Ersten Weltkrieg, in den Ausstellungen zur Russischen Revolution in Berlin und Zürich 2017/2018 sowie in verschiedenen Publikationen beschäftigt.

Auch in meinen Projekten in Belarus begegnet mir die spätestens seit dem 100. Jahrestag seit Kriegsausbruch wieder belebte Erinnerung an den „Großen Krieg“ immer wieder. Und Ende des Jahres wird der Sammelband „Die vergessen Front“, 2006 herausgegeben vom MGfA (heute: Zentrum für Militärgeschichte), in dem ich einen Beitrag über den Moskauer Brüderfriedhof veröffentlicht habe, in englischer Übersetzung in einem amerikanischen Verlag erscheinen.

Screenshot: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-27930?title=t-thiemeyer-das-depot-als-versprechen&recno=9&q=&sort=&fq=&total=15712

Depotausstellungen als „Bruch mit heutigen Darstellungskonventionen“ und „Gegenmodell zur Ausstellungskultur der Gegenwart“

vom 29.08.2018 18:30:12

So versteht sie der Autor der Studie „Das Depot als Versprechen. Warum unsere Museen die Lagerräume ihrer Dinge wiederentdecken“ (Köln 2018), Thomas Thiemeyer (zitiert S. 13). Das Buch beeindruckt durch seine umfangreichen Rechercheergebnisse, Einblicke in die Tiefen ausgewählter Museen und analytische Schärfe. Ganz überzeugt hat mich die These aber dennoch nicht. Warum das so ist, habe ich in meiner Rezension der Untersuchung begründet, die kürzlich bei H-Soz-Kult erschienen ist.

Der Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, am 29.6.2018 in Minsk.

Aufmerksamkeit für Maly Trostenez

vom 11.07.2018 06:26:15

Am 29. Juni besuchte der Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, Minsk und nahm an der feierlichen Eröffnung eines weiteren Abschnitts der Gedenklandschaft in Trostenez teil. Es handelt sich um die zwischen 1942 und 1944 größte nationalsozialistische Vernichtungsstätte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Anschließend nahm er im Rahmen der von uns organisierten, mehrtägigen Konferenz zum Thema „Gedenken für eine gemeinsame europäische Zukunft“ im IBB Minsk an einer Diskussion mit jungen Historikern aus Belarus, Deutschland, Russland und der Ukraine teil.

Die Aufmerksamkeit, die dadurch diesem lange vergessenen historischen Ort zukommt, ist eine wichtige Unterstützung unserer Arbeit in der Minsker Geschichtswerkstatt, die ich zur Zeit in Fragen der wissenschaftlichen und Organisationsentwicklung begleite.

Zu dem Thema passt meine jüngste Veröffentlichung zur „Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in Belarus“ in den aktuellen Belarus-Analysen.

Der Bundespräsident in der IBB

Berichterstattung zum Besuch des Bundespräsidenten, der Eröffnungszeremonie und der Konferenz

Die Gedenkanlage – Hintergründe und Fotos (russisch)

Unter dem Stichwort „Trostenec. Mesto Rasstrela/Тростенец. Место расстрела“ kann man den Ort auf google-maps virtuell begehen.

Interviews Kristiane Janeke:
Deutsche Welle (russisch)
Belrynok (russisch)
DLF

Im Rahmen der Konferenz fand am 28.6.2018 ein Workshop mit jungen Historikern aus Belarus, der Ukraine, Russland, Deutschland und Polen zu Fragen der „Erinnerung im virtuellen Raum“ statt. Die hier begonnene Vernetzung wollen wir fortsetzen und Angebote zur Erinnerung an Trostenez im Internet und den sozialen Medien fördern. Ein erster Ansatz dazu waren die vielen Posts von der Zeremonie:
https://walls.io/s3zqs
https://www.facebook.com/trostenetsmemorial/
https://www.instagram.com/trostenetsm/

Berichte zum Workshop:
Russian Holocaust Center
Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig
Akademie der Wissenschaften der Ukraine

Das neu angelegte Gräberfeld in Blagowschtschina, Teil der Gedenkanlage Maly Trostenez (Juni 2018)

Der Bundespräsident besucht Maly Trostenez

vom 19.06.2018 07:19:41

Am 29. Juni findet die Erweiterung der Gedenklandschaft in Maly Trostenez, der zwischen 1942 und 1944 größten nationalsozialistischen Vernichtungsstätte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, statt. An der feierlichen Zeremonie nimmt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. Anschließend wird er die von uns geplante Konferenz in der IBB Minsk besuchen.

Die Aufmerksamkeit, die dadurch diesem lange vergessenen historischen Ort zukommt, ist eine wichtige Unterstützung unserer Arbeit in der Minsker Geschichtswerkstatt, die ich zur Zeit in Fragen der wissenschaftlichen und Organisationsentwicklung begleite.

Zu dem Thema passt meine jüngste Veröffentlichung zur „Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in Belarus“ in den aktuellen Belarus-Analysen (Nr. 37, 31.5.2018).

Modell für das Denkmal in der Blagowschtschina von Leonid Levin. Foto: https://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/

AKTUELL: Beratung der Geschichtswerkstatt Minsk

vom 16.04.2018 15:05:58

Nach den beiden großen Ausstellungen zur Russischen Revolution im Schweizerischen Nationalmuseum und dem Deutschen Historischen Museum 2017/2018 habe ich meinen Schwerpunkt vorübergehend wieder nach Belarus verlegt. Im Auftrag des IBB  berate ich derzeit die Geschichtswerkstatt in Minsk. Im Mittelpunkt steht die Organisationsentwicklung und inhaltliche Profilierung zu den Kernthemen der Einrichtung, die sich in dem einzigen, noch erhaltenen Gebäude des Minsker Ghettos befindet: Geschichte des Ghettos und des ehemaligen KZ Maly Trostenez, Holocaust in Belarus sowie die Betreuung der letzten, noch lebenden Zeitzeugen.

Von der Geschichtswerkstatt wird auch die deutsch-belarussische Wanderausstellung zu Maly Trostenez betreut, die derzeit durch deutsche und belarussische Schulen und Bildungseinrichtungen tourt. Zusammen mit belarussischen und deutschen Historikern, darunter von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, hatten wir sie zwischen 2014 und 2016 erarbeitet – eine Initiative, die ebenfalls auf das IBB Dortmund zurückgeht und in großen Teilen vom Auswärtigen Amt finanziert wurde.

In diesem Jahr wird im Juni ein weiterer Teil der Gedenklandschaft an diesem historischen Ort feierlich eröffnet. Daran werden hochrangige politische Vertreter aus Deutschland, Österreich und Belarus teilnehmen. Aus diesem Anlass wird es eine Konferenz zur Erinnerungskultur im östlichen Europa geben.

Weitere Infos dazu hier.

Foto: Kristiane Janeke

1917. Revolution. Russland und Europa. Noch bis zum 15. April 2018 Ausstellung im Deutschen Historischen Museum

vom 01.03.2018 07:56:18

Ausstellungkatalog:
Julia Franke, Kristiane Janeke und Arnulf Scriba für das Deutsche Historische Museum (Hg.): „1917. Revolution. Russland und Europa“, Ausstellungskatalog, Dresden 2017.

Essayband auf deutsch und englisch:
1917. Revolution. Russland und die Folgen/Russia and the consequences, hg. vom Schweizerischen Nationalmuseum und dem Deutschen Historischen Museum, Dresden 2017.

Rundgang durch die Ausstellung:
Zusammen mit Julia Franke: 1917. Revolution. Russland und Europa. Zur Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, in: MuseumsJournal 4 (2017), S. 20-23.

Interview auf RusslandKontrovers
http://russlandkontrovers.de/die-russische-revolution-bricht-mit-den-humanistischen-ideen-des-spaeten-18-und-des-19-jahrhunderts-dr-kristiane-janeke-im-interview/

Andreas Kilb, FAZ, 19.10.2017
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/historisches-museum-russische-revolution-15252472.html#void
„Insgesamt ist die neue Ausstellung ein starker Auftritt.“

„In den letzten Jahren hatte man manchmal den Eindruck, das DHM wisse nicht genau, was es eigentlich zeigen wolle. Diese Ausstellung weiß es genau.“

Bernhard Schulz, Tagesspiegel, 19.10.2017
http://www.tagesspiegel.de/kultur/die-russische-revolution-1917-der-urknall-des-20-jahrhunderts/20473486.html

„großartige, rundum geglückte Ausstellung“

Maria Ossowski. rbb24, 19.10.2017
https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2017/10/deutsches-historisches-museum-1917-revolution-umsturz.html

„Eine höchst sehenswerte Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, eine der besten seit Jahren in diesem Haus.“

TV-Bericht auf russisch: rtvd
https://rtvd.de/upload/video/OW_Nr.%2066%20for%2014.10.17%20Syuzhet%20Lenin.mp4

Interview auf russisch:
https://www.kommersant.ru/doc/3392330