Blog

Foto: http://minsknews.by/blog/2015/08/29/v-minske-predstavili-12-strategiy-sovremennogo-belorusskogo-iskusstva/

Foto: http://minsknews.by/blog/2015/08/29/v-minske-predstavili-12-strategiy-sovremennogo-belorusskogo-iskusstva/

Museumsnews Belarus

vom 06.09.2015 16:41:09

Jedes Mal, wenn ich nach Belarus fahre, um Freunde und Kollegen zu treffen, wird mir die ganze Tragik der Berichterstattung über dieses Land erneut vor Augen geführt. Diese lässt sich, unbeeindruckt von der Ukraine-Krise, der jüngsten Freilassung aller (!) politischen Gefangenen und einer im Detail durchaus differenzierten Entwicklung, mit den Worten zusammenfassen „Im Osten nichts Neues“. Dies entspricht in der Tat dem nach außen sichtbaren Bild, und was die Museen betrifft, sagte mir die Kuratorin Olga Rybchinskaja, dass sich seit Jahren eigentlich nichts tut, es geht nicht vor und nicht zurück. Jeder macht, so gut es geht, „sein Ding“, realisiert Projekte, treibt Geld auf und nutzt den vorhandenen Freiraum für sich.

Was pragmatisch klingt und angesichts der stagnierenden politischen Situation auch ist, bildet die Realität aber nur zu einem Teil ab und darüber wird bei uns so gut wie nie berichtet. Die Menschen sind voller Energie, entwickeln immer neue Ideen und Initiativen, setzten unermüdlich neu an und bewahren neben Geduld und Pragmatismus nicht zuletzt Spaß an ihrer Arbeit und Lebensfreude.

Ich kann das freilich nur für den Museumsbereich beurteilen, dort gib es allerdings viele Beispiele. Allen voran das Nationale Historische Museum. Hier ist die Lage weiterhin desolat, etwas substantiell Neues gibt es nicht zu berichten: Das Gebäude in der Karl-Marx-Straße ist zu klein, in schlechtem Zustand, eine zusammenhängende Dauerausstellung fehlt, die Sonderausstellungen leiden häufig an Professionalität. Im letzten Jahr kam es noch schlimmer: Die Sammlungen, größtenteils untergebracht im alten Gebäude des Museums der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges (GVK) gelagert, das für den Abriss bestimmt war, mussten umziehen und befinden sich seitdem an fünf Standorten in der Stadt, deren Bedingungen man erst gar nicht näher beleuchten möchte. Nun ist der Geduldsfaden gerissen, die Leitung hat sich, sozusagen, als letztes Aufgebot, an die Regierung gewandt, diesen Zustand zu beenden. Die Presse hat ausführlich über den Verfall des nationalen Kulturerbes berichtet (Культура 35 (1213), 29.8.2015) und man wünscht sich, dass die Öffentlichkeit aufgerüttelt wird. Nachdem sich schon der Umzug in ein neues Gebäude vor einigen Jahren erledigt hat, weil man dort nach Jahren der Neukonzeption des Museums doch lieber eine Sicherheitsbehörde untergebracht hat, träumen die Kollegen nun von einem Neubau an der Stelle, wo das alte Gebäude des Museums GVK in der Zwischenzeit abgerissen wurde. Vermutlich wird das leider ein Traum bleiben.

Eher ein Albtraum war dagegen wohl der Umzug des Museums GVK. Nachdem der Direktor, Vitalij Skobeljov, die Herkulesaufgabe der Neueröffnung 9. Mai 2014 kurzfristig von dem kurzerhand gefeuerten Sergej Azaronok übernommen hatte, ist ihm nun offenbar klar geworden, dass es mit der Eröffnung nicht getan ist und die eigentlichen Probleme der Bauabnahme, der Anpassung der unter Druck eröffneten Ausstellung und vor allem der Aufrechterhaltung des öffentlichen Interesses jenseits der Jahrestage jetzt erst anstehen. Das will er sich, wer will es ihm verdenken, nicht antun und hat gekündigt. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen. Der alte Direktor zieht seine Fäden.

Eine Konstante, um nicht zu sagen: Fossil des Museumsbetriebs ist derweil der Direktor des Nationalen Kunstmuseums Vladimir Prokopcov, der ungeachtet aller Herausforderungen mit bewundernswerter Konsequenz seine Idee des Museumsquartals rund um das zentrale Gebäude seines Hauses verfolgt. Offenbar geht es gut voran, geplant sind weitere Ausstellungsflächen, ein zentraler Servicebereiche und ein nationales Restaurierungszentrum.

Eine bislang verschlagene Filiale des Kunstmuseums erwacht derweil unter seinem neuen Direktor zu seinem Leben, das Museum „Haus der Vankovichi“ . Dort herrscht seit kurzem Sergej Vecher, vormals Direktor des Nationalen Historischen Museums, wo das Kulturministerium ihn wegen des freilich von ihm nicht verursachten abgesagten Umzugs in das oben genannte Gebäude gefeuert hat. Nun hat er eine lange Liste neuer Ideen für das Herrenhaus aus 18./19. Jh. und will es zu einem zentralen Begegnungsort in Minsk machen.

Ein Treffpunkt für die junge Kunstszene ist schon seit längerem das Zentrum für zeitgenössische Kunst geworden, das nun zum 1. Oktober mit dem Museum für zeitgenössische Kunst zusammengeführt wird. Leiterin wird weiterhin Natalja Scharangovich sein, die Grande Dame der aktuellen Kunst- und Künstlerszene, die seit Jahren unermüdlich daran arbeitet, ihre Landsleute an Gegenwartskunst zu gewöhnen. Dazu gehört aktuell ein Skulpturenpark im „Park des Sieges“, der belarussische Pavillon auf der Biennale in Venedig und die Eröffnung einer großen Ausstellung „12 Strategien“ mit Arbeiten der zwölf renommiertesten belarussischen Gegenwartskünstler. Diese Ausstellung verdankt die Stadt Minsk einer Absage der Chinesen, wohin die Arbeiten eigentlich schon gereist sein sollten. Ob dieser Plan aufgehoben oder aufgeschoben ist, ist unbekannt. Ein Katalog auf belarussisch, englisch und chinesisch liegt vor, man steht in den Startlöchern. Auch in Polen ist belarussische zeitgenössische Kunst zu besichtigen, derzeit in einer Ausstellung in Bialystok.

Angesichts dieser Vielfalt ist es bedauerlich, dass ICOM Belarus kaum in Erscheinung tritt, was nicht zuletzt daran liegt, dass Museen nicht Mitglied werden dürfen und der Beitrag für Einzelpersonen oft zu hoch ist, aber auch an den unvermeidlichen Intrigen unter den Museumsdirektoren und anderen Kollegen.

Folglich hat nicht ICOM, sondern die Redaktion des Kulturmagazins Arche ein wunderbares Museumsheft herausgebracht, das einen durch das Prisma kritischer Autoren ein Schlaglicht auf die aktuelle Museumslandschaft wirft. Unter den Autoren ist freilich kein Museumsmitarbeiter und so gerät der Blick eher philosophisch-kulturwissenschaftlich, was das Verdienst, diese Thema in einem Sonderheft aufgegriffen zu haben, nicht schmälert.

Foto: http://war.photocentre.by

Foto: http://war.photocentre.by 

Belarus auf der Biennale in Venedig

vom 19.08.2015 08:50:15

In diesem Jahr ist Belarus wieder einmal auf der Biennale in Venedig vom 9. Mai bis 22. November 2015 vertreten, und zwar mit dem Projekt „Zeitzeugenarchiv des Krieges“ (Архив свидетеля войны). Kuratoren sind Aleksej Šinkarenko und Olga Ryčinskaja. Leitend beteiligt ist Natalja Šarangovič, Direktorin des Museums für zeitgenössische Kunst in Minsk (und Enkelin des belarussischen Künstlers Vassilij P. Šarangovič).

Das Projekt greift Fragen der Zeitzeugenschaft ausgehend von originalen Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg aus belarussischen Museen auf. Die Besucher sollen, angeregt durch die Betrachtung der Fotografien, eigene Erinnerungen aus der Familiengeschichte oder vom Ihnen selbst erlebten Kriegen beitragen und sich auf diese Weise damit auseinandersetzen, was es bedeutet, Zeitzeuge zu sein. Ihre Reaktionen, Gedanken und Gespräche mit den Kuratoren werden digital festgehalten, die Besucher werden damit Teil des Projekts, das sich mit und durch sie weiterentwickelt. Übrigens befassen sich auch andere osteuropäische und zentralasiatische Länder mit Photographie und Geschichte.

Leider gab es schon in der Vorbereitung des Projekts zahlreiche (bürokratische und formale) Probleme, am 11.5. musste der Pavillon bereist aus finanziellen Gründen schließen und zeigt nun das Projket in einer abgeänderten Form. Wie es scheint, sind die zugesagten Mittel der belarussischen Regierung nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden. Leider ist dies ein weiterer Beleg für die mangelnde Unterstützung der zeitgenössischen Kunst in Belarus im Allgemeinen. (Interview mit dem Kurator) Entsprechend ist auch niemand vom Kulturministerium zur Eröffnung gekommen.

Ich begleite das Projekt schon eine ganze Weile, habe in andern Zusammenhängen mit Olga Ryčinskaja und Natalja Šarangovič zusammengearbeitet. Für die Begleitpublikation zur Präsentation in Venedig habe ich einen Beitrag geschrieben. Es ist vorgesehen, das Projekt auch jenseits der Biennale weiter zu entwickeln und an anderen Ort zu zeigen. Das Schwedische Armeemuseum in Stockholm hat bereits Interesse signalisiert.

Hier die Fakten zum Pavillon.

1945. Niederlage...

„1945. Niederlage – Befreiung – Neuanfang“ – Eine Sonderausstellung zum Kriegsende im Deutschen Historischen Museum

vom 17.08.2015 13:38:16

Zu den zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen zum 70. Jahrestag des Kriegsendes leistet die Ausstellung in Berlin einen Beitrag, der den Blick auf eine Auswahl europäischer Länder unmittelbar nach dem Krieg richtet, darunter auch die Sowjetunion. Es war meine Aufgabe herauszufinden, vor welchen Aufgaben das Land in der Nachkriegsperiode bis zum Tode Stalins 1953 stand und dies an ausgewählten Exponaten zu verdeutlichen. Darunter befindet sich z.B. eine medizinische Prothese aus dem Kriegsmedizinischen Museum in St. Peterburg zur Verdeutlichung der Situation der Kriegsinvaliden. Oder ein Foto aus dem Nationalen Historischen Museum Belarus von der Unterbringung der Minsker Bevölkerung in Zelten, da mehr als die Hälfte des Wohnraums in Städten und Dörfern zerstört war. Und noch ein Beispiel: Persönliche Gegenstände des Frontartzes Fedor Čumakov aus dem Staatlichen Historischen Museum in Moskau. Sein Schicksal berichtet von den schwierigen Bedingungen in der deutschen Kriegsgefangenschaft, der Filtration und Repatriierung in die Sowjetunion. Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Oktober 2015 zu sehen. Weitere Informationen unter: www.dhm.de

«1945 г. – Поражение. Освобождение. Новое начало» – Выставка в Немецком историческом музее

К многочисленным мероприятиям и выставкам в 70-ую годовщину конца войны выставка в Берлине вносит вклад, который дарит внимание выбору европейских стран в послевоенных временах, в том числе и Советский Союз. Перед какими заданиями находила страна в 1945 г. до смерти Сталина в 1953 г. и как это показать в выбранных экспонатах – эта была моя задача в этом проекте. Во выборе экспонатов – например, медицинский протез из Военно-медицинского музея в Санкт-Петербурге к иллюстрации ситуации инвалидов. Или фотография из Национального Исторического музея Беларуси размещения минского населения в палатках, так как больше чем половина жилого помещения в городах и деревнях была разрушена. И еще пример: Личные предметы фронтового врача Федора Чумакова из Государственного Исторического музея в Москве. Судьба сего ообщает о трудных условиях в немецком плену, фильтрации и репатриации в Советский Союз. Выставку можно посетить еще до 25 октября 2015 г.. Дальнейшая информация: www.dhm.de