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Minsk-Forum 11-2016

Minsk-Forum 2016

vom 19.12.2016 15:25:21

Nach sechs Jahren Pause fand Ende November erstmal wieder das von der Deutsch-belarussischen Gesellschaft ins Leben gerufen und organsierte Minsk-Forum statt. Vertreter aus Politik und Wirtschaft, viel zu wenig aus Kultur und Gesellschaft, tauschen sich über den aktuellen Stand der bilateralen und belarussisch-europäischen Beziehungen aus.

Nach den Wahlen 2010 hatte das Forum beschlossen, die Veranstaltung auszusetzen bzw. einmal ins benachbarte Litauen zu verlegen. Ob es die richtige Entscheidung ist, gerade in Krisenzeiten den Dialog abzubrechen, ist eine viel diskutierte Frage mit Blick auch auf andere Krisenherde der Welt. Im Falle des Minsk-Forums liegt sie in der fast ausschließlichen Konzentration auf Politik und Wirtschaft begründet. Gäbe es einen stärkeren Fokus auf Kultur und Zivilgesellschaft, wäre sie vielleicht anders ausgefallen.

Angesichts des Schwerpunkts auf politischen Fragen wirkten das am zweiten Abend angebotene Konzert von Ljawon Wolski sowie einer Führung nach Maly Trostenec mit anschließender Diskussion in der Geschichtswerkstatt nach Abschluss des offiziellen Programms wie Anhängsel aus schlechtem Gewissen. Ich selbst hatte das Vergnügen, zusammen mit Aliaksandr Dalhouski die Exkursion nach Trostenec durchzuführen und habe mich über die vielen interessierte Zuhörer, die trotz widriger Wetterbedingungen tapfer durchgehalten haben, sehr gefreut!

Fotos sind hier, TV-Aufnahmen hier und eine Analyse hier zu sehen/lesen.

Ausstellung in Hamburg Foto: IBB Dortmund - Robin Hinsch https://youtu.be/8j__zMmm0O8

Ausstellung in Hamburg
Foto: IBB Dortmund – Robin Hinsch
https://youtu.be/8j__zMmm0O8

Wanderausstellung zu Maly Trostenez in Hamburg eröffnet

vom 03.12.2016 16:25:32

Am 8. November 2016 – dem 75. Jahrestag der Deportationen aus Hamburg nach Minsk – wurde nach mehr als zwei Jahren Vorbereitungszeit die Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg der IBB Minsk in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet. Sie wird an diesem von mehreren weiteren Ausstellungsorten in Deutschland bis zum 7. Dezember zu sehen sein. Die Eröffnung in Belarus ist für März 2017 geplant. Die Ausstellung wird von einem deutsch-belarussischen Katalog begleitet.

Während meiner Beteiligung an dem Projekt, als Beiratsmitglied und durch Beiträge zur Erarbeitung der Ausstellung, gab es viele Momente, in denen Zweifel durchaus angebracht waren, ob es jemals zur Realisierung kommen würde. Wir mussten viele Kompromisse machen, sicher auf beiden Seiten, und aus wissenschaftlicher Perspektive muss man großzügig über einige Angaben und Exponate hinwegsehen. Dies fällt leichter, wenn man sich den Mehrwert für die deutsch-belarussische Verständigung bei diesem schwierigen Thema vor Augen führt, und die Basis, die wir mit dieser Ausstellung für einen zukünftigen Informationsort am historischen Ort auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationlagers schaffen wollten. Mit diesem Ziel vor Augen freue ich mich auf die Fortsetzung des Projektes gemeinsam mit den deutschen, belarussischen und tschechischen Kollegen.

Fotos der Ausstellung gibt es hier, einen belarussischen Beitrag hier.

Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Malyj Trostenec, auf dem seit einigen Jahren ein Gedenkort entsteht.

Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Malyj Trostenec, auf dem seit einigen Jahren ein Gedenkort entsteht.

Die Wanderausstellung zu Malyj Trostenec ist fertig!

vom 07.10.2016 14:45:42

Als wir vor zwei Jahren damit angefangen haben, hätten wir es selber nicht geglaubt: Jetzt ist sie fertig, die deutsch-belarussische Wanderausstellung für Schüler in beiden Ländern. In vielen gemeinsamen Sitzungen haben wir im Beirat dazu beraten, die Kolleginnen und Kollegen in der Geschichtswerkstatt und dem IBB Minsk sowie in der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas haben die Materialien gesucht und die Texte geschrieben. Am 8. November wird die deutsche Version in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg eröffnet, an dem Tag, an dem 1942 der erste Transport in das Ghetto Minsk Hamburg verließ.

Foto: http://museums.by/fotoreportazhi/gosudarstvennyj-muzej-voennoj-istorii.html

Foto:
http://museums.by/fotoreportazhi/gosudarstvennyj-muzej-voennoj-istorii.html

Museumsstreifzüge – Folge 14: Das Armeemuseum der Republik Belarus

vom 06.09.2016 15:13:26

Nein, es ist nicht das Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges. Das habe ich zunächst auch gedacht und war überrascht, dass es in Belarus neben diesem übermächtigen Museum noch ein weiteres zur Militärgeschichte des Landes geben kann. In der Tat ist es auch fast unbekannt und zudem weit abgelegen in einer früher geschlossenen Militärsiedlung. Aber es ist doch immer wieder erstaunlich, was es gerade in diesen unscheinbaren und meist etwas verstaubten Museen des postsowjetischen Raums zu entdecken gibt.

Damit meine ich nicht die vermeintlichen Highlights, die sich nur allzu oft als Kopien herausstellen, wie z.B. die Fahne einer Einheit der Roten Armee aus Belarus, die bei Kriegsende auf dem Reichstag geweht haben soll. Oder der von mir lange gesuchte Mantel einer Uniform der Roten Armee aus den ersten Jahren. Nein, interessant sind meistens die weniger spektakulären Exponate, wie persönliche Erinnerungen, die die Menschen aus der Umgebung dem Museum schenken, oder auch der konzeptionelle Zugang. So sucht man in Belarus eine kritische Auseinandersetzung mit Tschernobyl vielerorts vergeblich. Hier gibt es eine gar nicht so kleine Abteilung dazu, mit vielen persönliche Schicksalen und einer erstaunlich offenen Beschreibung der Arbeit der Liquidatoren.

Verschlagen hat es mich hierher überhaupt nur, weil mein langjähriger Museumkollege, Sergej Azaronok, die Leitung des Hauses übernommen hat. Das mag zunächst verwundern, war der doch bis 2015 Direktor des Museums für die Geschichte des Großen Vaterländischen Kriegs in Minsk. Kurz vor dessen Wiedereröffnung wurde er – aus von außen undurchsichtigen politischen Gründen – entlassen. Als Oberst a.D., der zudem bei der langjährigen Vorbereitung der neuen Dauerausstellung im Parademuseum der Republik seine Leidenschaft für das Museumswesen entdeckt hat, war er die ideale Besetzung für das 2002 in Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums gegründeten Museums. Ein Abstieg ist das nach belarussischen Vorstellungen keineswegs, zumal die Methoden der Stellenbesetzung und –entlassung sehr viel durchlässiger sind, als bei uns. Jedenfalls ist er voller Elan und will das Museum auf Vordermann bringen. Geld dafür hat er keins, aber wenn es danach ginge, dann gäbe es die meisten Museen in Belarus schon gar nicht mehr. Es bleibt also spannend, was er daraus macht und wenn Sie mal in Minsk sind, dann machen Sie sich die Mühe, von den üblichen Museumspfade abzuweichen – die Entdeckung ist es wert!

Hier eine Website zu dem Museum mit vielen Fotos.

Foto: http://www.nlb.by/portal/page/portal/index/detailed_news?param0=143373&lang=ru&rubricId=2

Foto: http://www.nlb.by/portal/page/portal/index/detailed_news?param0=143373&lang=ru&rubricId=2

Neues zu Malyj Trostenec: Dokumentenband und Ausstellungseröffnung

vom 05.08.2016 05:06:23

Unter dem Titel „Trostenec: Tragödie der Völker Europas, Erinnerung in Belarus“ ist ein weiterer Band mit Archivdokumenten zum KZ Malyj Trostenc in Minsk erschienen. Auch diese Mal ist Vjacheslav Selemenev, der ehemalige Direktor de Nationalarchivs als einer der Herausgeber daran beteiligt. Neben vielen Fotos enthält der Band erstmals auch Dokumente, die über die ersten Erinnerungszeichen und die Erinnerungskultur enthalten. Die Publikation wurde u.a. ermöglicht durch die Unterstützung des IBB Minsk. Dank der Förderung war es auch möglich, Materialien aus deutschen, russischen und lettischen Archiven einzubeziehen.

Im November wird darüber hinaus die von uns in mehrjähriger deutsch-belarussischer Kooperation erstellte Wanderausstellung zur Geschichte dieses historischen Ortes in Hamburg stattfinden – dem Ort, von dem aus die ersten Transporte nach Trostenec erfolgten. Für das Frühjahr 2017 ist die Eröffnung der Ausstellung in Belarus geplant.

Foto: http://www.phoenix.de/content/1113663

Foto: http://www.phoenix.de/content/1113663

TV-Diskussion „History Live“: „Unternehmen Barbarossa – Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg?“

vom 23.06.2016 17:59:12

Das „Unternehmen Barbarossa“ und die Erinnerung daran war das Thema der aktuellen Sendung des Fernsehhistorikers Guido Knopp in der Reihe „History Live“, einer Diskussionsrunde zu aktuellen Fragen der Geschichte auf Phoenix. Daran zusammen mit Jörg Baberowski und Sönke Neitzel teilzunehmen hatte ich die Ehre und das Vergnügen: Zu sehen bei Phoenix und youtube

Обсуждение в телевидении „History Live“: „Операция Барбаросса – поворотный пункт Второй мировой войны?“

„ Операция Барбаросса “ и воспоминание о ней было темой актуальной передачи историка Гуидо Кноппа в серии „History Live“ в телевидении, дискуссионная программа по актуальным вопросам истории на Phoenix. У меня была радость и честь принимать участие вместе с Йоргом Баберовским и Зенке Найцель: Смотреть можно здесь Phoenix и youtube

Foto: https://www.phoenix.de/content/986004

Foto: https://www.phoenix.de/content/986004

75 Jahre Überfall auf die Sowjetunion – 19. Juni, 13.00 Uhr auf Phoenix

vom 05.06.2016 11:06:09

Das „Unternehmen Barbarossa“ und die Erinnerung daran ist das Thema der nächsten Sendung des Fernsehhistorikers Guido Knopp in der Reihe „History Live“, einer Diskussionsrunde zu aktuellen Fragen der Geschichte auf Phoenix. Daran zusammen mit Jörg Baberowski und Sönke Neitzel teilzunehmen hatte/habe ich die Ehre und das Vergnügen: Die Aufnahme letzte Woche war lebendig und interessant, wie überhaupt die Erfahrung, bei der Sendung mal dabei zu sein. Zu sehen ist das Produkt am Sonntag, den 19. Juni um 13.00 Uhr bei Phoenix!

Foto: http://afisha.tut.by/exhibition/vremya_i_tvorchestvo_lva_baksta_1866_1924_gg/

Foto:
http://afisha.tut.by/exhibition/vremya_i_tvorchestvo_lva_baksta_1866_1924_gg/

Leon Bakst-Ausstellung in Minsk – Леон Бакст – Выставка в Минске

vom 06.05.2016 16:40:39

Anlässlich des 150. Geburtstages des Künstlers finden in diesem Jahr mehrere Ausstellungen statt. Auch das Nationale Kunstmuseum in Minsk hat bis vor Kurzem eine sehenswerte Ausstellung gezeigt, die den in Grodno geborenen Bakst als belarussischen Künstler wiederentdeckt. Die Belgazprombank hat aus diesem Anlass einige Werke erworben, darunter selten ausgestellte und wenig bekannte Malerei von Bakst. Die Bank trägt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Sammlung von Kunstwerken zusammen, deren Schöpfer durch den Geburtsort in den heutigen Landesgrenzen oder durch Lebenswege auf dem Gebiet des heutigen Belarus verbunden sind. Sie schließt damit eine auffallende Lücke in der Sammlung der staatlichen Museen. Für mich gab es in der Ausstellung durchaus einige Anregungen für unsere geplante Ausstellung zur Russischen Revolution im Deutschen Historischen Museum, die einen Schwerpunkt auf die Kunst legen wird.

По поводу 150-ого дня рождения художника в этом году показывают несколько выставок. В том числе Национальный музей изобразительных искусств в Минске недавно показал достопримечательную выставку, которая переоткрывает рожденного в Гродно Бакст как белорусский художник. Белгазпромбанк по этому поводу приобрел несколько произведений, включая редко выставленную и известную живопись Бакста. Банк уже несколько лет собирает замечательную коллекцию художественных произведений, создатели которых связаны с сегоднящней Беларуси либо местом рождения в сегодняшних границах страны или жизненными путями. Коллекция закрывает пробел в коллекциях государственных музеев. Я нашла на выставке несколько стимулов для нашей запланированной выставки к Русской революции в Немецком Историческом музее в 2017/2018 гг., основной вопрос которой будет и искусство.

Foto: http://конныйспорт.бел/

Foto: http://конныйспорт.бел/

Hilfsrichter in Ratomka

vom 29.04.2016 17:45:57

Vor Kurzem hatte ich wieder einmal das Vergnügen, Belarus und Reitsport zu verbinden. Nach einer Woche eigenem Training bei der – davon bin ich überzeugt – besten Reiterin in Belarus, Ekaterina Efremova, war ich auf dem Internationalen Dressurturnier in Ratomka aktiv. Dort war ich, wie schon vor zwei Jahren, als Protokollschreiberin für einen der internationalen Richter eingeteilt. 2014 hatte ich erstmals die Freude und Ehre, Peter Engel über die Schulter zu schauen und ihn übrigens auch in seiner Funktion als Vertreter des Hannoverschen Reitverbandes im Gespräch mit den Zuchtverantwortlichen in Ratomka zu unterstützen. Dieses Mal saßen wir wieder viele Stunden am Viereck. Zwar hat Ekaterina trotz meiner Einflussnahme den Grand Prix nicht gewonnen, aber der Einblick in die internationale Richterwelt war wieder einmal eine ebenso zweifelhafte wie lehrreiche Zerstreuung.

Die Konferenzteilnehmer im Jahr 2013. - Участники конференции в 2013 г.

Die Konferenzteilnehmer im Jahr 2013. – Участники конференции в 2013 г.

Belarus und Deutschland. Geschichte und Gegenwart

vom 05.04.2016 13:22:48

Unter diesem Titel veranstaltet der belarussische Historiker Sergej Novikov jedes Jahr eine Konferenz an der Linguistischen Universität, wo er den Lehrstuhl für Geschichte, Weltkultur und Tourismus leitet. Ich werde dort in diesem Jahr am 8. April die Konzeption der Ausstellung über die Russische Revolution im DHM vorstellen. Sieht man davon ab, dass das gesamte 20 Jh. in Europa ohne den Umsturz in Russland nicht zu verstehen wäre, falle ich mit dem Thema ein wenig aus der Reihe, da meist der Zweite Weltkrieg und die Militärgeschichte im Mittelpunkt stehen. Aber darauf kommt es hier gar nicht an. Vielmehr ist die Konferenz ein ungewöhnlich offenes Forum für professionelle Kontroversen, die bisweilen sehr lebhaft ausgetragen werden. Da sich die meisten der ausgewählten Teilnehmer seit langem kennen, ist die Atmosphäre ebenso kollegial-vertraut wie streitbar. Immer wieder ein Vergnügen!

Беларусь i Германия. Гiсторыя и сучаснсць

Под этим заголовком белорусский историк Сергей Новиков каждый год устраивает конференцию в Лингвистическом университете, где он является зав. кафедры истории, мировой культуры и туризма. Я в этом году в 8ого апреля представлю концепцию выставки о Русской революции в Немецком историческом музее. Не смотря на то, что весь XX в. в Европе не возможно понимать без знания 197ого года в России, я немного буду экзотом, так как обычно доминирует Вторая мировая война и военная история. Но это не самое главное. Конференция – необычно открытый форум для профессиональных дискуссий, которые иногда разряжается очень живой. Так как наибольшие выбранных участников знают друг друга давно, атмосфера так и дружелюбный как и спорно. Каждый раз одно удовольствие!