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„Schwer heilende Wunden ‐ 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges“ Mittwoch, 13. Mai 2020, 18.30 Uhr, Moskauer Zeit – online

vom 08.05.2020 08:32:15

Unter diesem Titel wird die zweite Veranstaltung im Rahmen der Moskauer Gespräche des Deutsch-Russischen Forums im online-Format nachgeholt, die ursprünglich für den 26. März geplant war und wegen Corona ausgefallen ist. Gemeinsam mit Irina Scherbakowa, Vorsitzende des Rates des Wissenschafts-, Informations- und Bildungszentrums „Memorial“, Pavel Polian, Direktor des Mandelstam-Zentrums, HSE Moskau und Arina Nemkowa, Leiterin der Stiftung zur Förderung und Entwicklung deutsch-russischer Beziehungen „Deutsch-russisches Begegnungszentrum“, St. Petersburg werden wir per Zoom diskutieren. U.a. soll es um die unterschiedlichen Erinnerungskulturen in Russland und Deutschland und die Frage gehen, welchen Beitrag Museen und Ausstellungen 75 Jahre nach dem Ende Krieges leisten können, gegenseitiges Vertrauen zurückzugewinnen.

 Diskutieren Sie mit! Unter diesem Link können Sie sich anmelden. Sie erhalten per Email Ihren individuellen Zugang zur Web-Veranstaltung auf der Konferenz-Plattform RSI.

https://www.deutsch-russisches-forum.de/moskauer-gespraech-am-13-mai/3222798


MOSKAU!

vom 02.02.2020 16:57:24

Es ist tatsächlich passiert: Wir sind nach Moskau umgezogen! Was lange währt, wird endlich gut. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit und bürokratischer Herausforderungen sind wir am 6.1.2020 umgezogen und nach zwei Wochen in der Übergangswohnung in der Botschaft nun in unserer Wohnung im Südwesten Moskaus. Die Wohnung liegt in dem Bezirk, in dem im Puschkin-Institut für die russische Sprache vor 30 Jahren (!) meine Abenteuer in Russland ihren Anfang genommen haben. Und natürlich ist es kein Zufall, dass ich kürzlich in einer Warteschlange mit einem ehemaligen Lehrer des Instituts ins Gespräch kam, der die ganzen alten Pauker noch kannte – und gleich ein paar typische Fehler korrigiert hat.

Mit Karl Schlögels „Moskau lesen“ tauche ich nochmal in die alten Zeiten an und mache mich auf Spurensuche. Fotos und Eindrücke von meinem aktuellen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt gibt es auf Instagram.

Foto: WIkipedia

В Москву!

vom 01.10.2019 15:21:52

Schon allein der zeitliche Abstand zu meinem letzten Post zu diesem Thema, es war der 30. Januar, zeigt, dass die Vision vom bürokratischen Hürdenlauf nach dem Vorbild von „Asterix erobert Rom“ zur Realität geworden ist. Zur Erinnerung: Was für den Gallier der „Passierscheins A 38“ und der „Passierschein A 39, wie er im neuen Rundschreiben B 65 festgelegt ist“, sind für uns die Akkreditierung, die Versetzungsverfügung, die Diplomatenpässe und vieles mehr, was wir nacheinander abarbeiten müssen.

Ob das Warten Putin persönlich, der politischen Weltlage oder doch nur der Bürokratie auf allen Seiten zuzuschreiben ist, bleibt bis auf weiteres ein Rätsel. Nachdem wir schon davon ausgegangen waren, dass wir gar nicht mehr umziehen, sieht es aktuell so aus, als könnte der Umzug im November (!) stattfinden. Aber auch das muss nicht das letzte Wort sein, es fehlen noch immer entscheidende Dokumente. Termine in Moskau habe ich trotzdem schon gemacht, ich bin optimistisch und freue mich auf dieses zweite, diplomatische Abenteuer.

Foto: http://mhm-gatow.de/dasmuseum

Flugplätze Gatow und Staaken unter sowjetischer Besatzung

vom 20.02.2019 18:48:38

Zu diesem Thema habe ich Anfang des Jahres eine Recherche für das Militärhistorische Museum in Gatow durchgeführt. Bisher gibt es dazu kaum Material in der Dauerausstellung des Museums auf dem historischen Gelände, einer Filiale des MHM in Dresden. Dies soll in der aktuell geplanten Neugestaltung anders werden.

Ergebnisse dieser ersten Recherche sind Fotos, Archivdokumente, Filme und persönliche Gegenstände für den Zeitraum vom Ende des Krieges bis Anfang der 50er Jahre. Weitere Recherchen sind geplant.

Foto: Wikipedia

В Москву!

vom 30.01.2019 16:40:36

Nun ist es also wieder soweit: Wir ziehen um. Lange schon war es im Gespräch, ebenso lange hat die Bürokratie gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen. Dieses Mal soll es nun also die russische Hauptstadt sein. Ich freue mich sehr, bin gespannt und habe den Kopf voller Ideen und neuer Projekte!

Angesichts der politischen Lage weht vermutlich für diesen Posten ein anderer Wind als damals in Minsk, wo wir 2010-2013 gewohnt und gearbeitet haben. Auf das politische Parkett will ich mich gar nicht begeben, umso mehr möchte ich meine bestehenden Beziehungen in den Kultur- und Museumsbereich stärken und neue Kontakte knüpfen. Als Historikerin schmerzt und schockiert es mich, jenseits aller Zuschreibungen, dass wir das, was wir zwischen Deutschland und Russland nach dem Zeiten Weltkrieg mühsam erreicht haben, so schnell verspielen können.

Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass wir im Gespräch bleiben und zusammenarbeiten müssen. Meinen Teil trage ich mit meinen Aktivitäten dazu bei und freue mich auf die Fortsetzung alter und auf neue Kooperationen mit den russischen Kollegen. An dieser Stelle werde ich wieder, wie damals Minsk, unser Expat-Leben kommentieren und meine Erfahrungen teilen.

Das beginnt dem bürokratischen Hürdenlauf, den wir derzeit ganz nach dem Vorbild von „Asterix erobert Rom“ absolvieren: Was für den Gallier der „Passierscheins A 38“ und der „Passierschein A 39, wie er im neuen Rundschreiben B 65 festgelegt ist“, sind für uns die Akkreditierung, die Versetzungsverfügung, die Diplomatenpässe und vieles mehr, was unsere Ausreise bisher unmöglich macht und wohl auch noch verzögern wird. Hoffen wir, dass das ganze ebenfalls ein Happy End hat und wir nicht, wie der Präfekt, den Verstand verlieren. Das Abenteuer beginnt…


„The Forgotten Front“ – nominiert für den Tomlinson-Preis der World War One Historical Association (WW1HA)

vom 10.01.2019 16:40:16

Noch immer steht die Forschung zur Ostfront des Ersten Weltkrieg im Schatten der westlichen Kriegsschauplätze. Zwar sind seit dem 10. Jahrestag 2014 viele zahlreiche Publikationen erschienen. Offenbar gilt das aber nicht für den englischsprachigen Raum, konkret die US-amerikanische Forschung.

Dafür spricht jedenfalls, dass der Sammelband des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (heute Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) aus dem Jahre 2004 praktisch ohne Änderungen oder Aktualisierungen kürzlich ins Englische übersetzt und sogleich für den im Titel genannten Preis nominiert worden ist.

Ich habe darin einen Beitrag über den Moskauer Brüderfriedhof publiziert, der 2004, also zum 90. Jahrestag, als wir die erste große Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im DHM gemacht haben, noch weitgehend unbekannt war. Seitdem ist viel passiert: Das Gelände deutlich erweitert und umgestaltet, neue Gedenksteine aufgestellt und der Friedhof wieder in das offizielle Gedächtnis zurückgekehrt. Das hätte ich gerne in den Text eingearbeitet, aber mit Mühe und Not konnte ich eine einzige Fußnote am Ende des Textes platzieren, die auf den Forschungsstand des Beitrags von 2004 und die nachfolgenden Entwicklungen hinweist. Dazu gehört nicht weniger als ein Paradigmenwechsel in der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Russland. Für die amerikanischen Leser scheint jedoch selbst der überholte Stand der Forschung einen Erkenntnisgewinn zu bringen, was insgesamt dafür spricht, dass es zur Ostfront noch immer einen Nachholbedarf gibt.

Seit 2014 erinnert ein Denkmal auf dem Verneigungshügel in Moskau an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges.
Foto: http://pobeda.ru/v-moskve-otkryili-pamyatnikam-geroyam-pervoy-mirovoy-voynyi.html

Aktuelles zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

vom 19.10.2018 15:20:22

Am 23. Oktober habe ich in Moskau an einer Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Erinnerungskulturen im Gespräch“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg teilgenommen. In die Residenz des deutschen Botschafters waren außerdem Jurij Petrow, Direktor des Instituts für Russische Geschichte der Akademie der Wissenschaften, für einen Einführungsvortrag sowie Sandra Dahlke, die neue Direktorin des DHI in Moskau, Natalja Rostislavleva, Direktorin des russisch-deutschen Lehr- und Forschungszentrums an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität in Moskau und Nikita Sokolow, stellvertretender Direktor der Jelzin-Zentrums in Jekaterinburg zur Diskussion geladen. Die Moderation lag bei Jens Siegert.

Im Fokus der Reihe des VdK stehen die jeweiligen Erinnerungskulturen und wie diese in aktuelle Europafragen einfließen. Bei der Frage einer breitenwirksamen Vermittlung der Erinnerung können Ausstellungen, museale Exponate und die Zusammenarbeit der beteiligten Museen Auskunft über den Stand der Gegenwartswirkung und -wahrnehmung geben. Mit diesen Fragen habe ich mich mit Blick auf Russland und Deutschland sowohl in den Ausstellungen des Deutschen Historischen Museums 2004 und 2014 zum Ersten Weltkrieg, in den Ausstellungen zur Russischen Revolution in Berlin und Zürich 2017/2018 sowie in verschiedenen Publikationen beschäftigt.

Auch in meinen Projekten in Belarus begegnet mir die spätestens seit dem 100. Jahrestag seit Kriegsausbruch wieder belebte Erinnerung an den „Großen Krieg“ immer wieder. Und Ende des Jahres wird der Sammelband „Die vergessen Front“, 2006 herausgegeben vom MGfA (heute: Zentrum für Militärgeschichte), in dem ich einen Beitrag über den Moskauer Brüderfriedhof veröffentlicht habe, in englischer Übersetzung in einem amerikanischen Verlag erscheinen.


Revolution und Medizin

vom 24.08.2017 14:35:20

… ist das Thema einer kleinen, aber feinen Sonderausstellung im Kriegsmedizinischen Museum in St. Peterburg, die dort bis November zu sehen sein wird. Im Zentrum steht ein Fotoalbum, das die Absolventen der medizinischen Akademie im Jahre 1917 zeigt. Ausgehend davon verfolgt die Ausstellung die Schicksale dieser Mediziner und was aus Ihnen geworden ist. Während einige dem Großen Terror zum Opfer fielen, spielten andere eine unrühmliche Rolle in der Leningrader Affäre und den Ärzteprozessen.

Ich schätze dieses Museum sehr – zum einen wegen der spektakulären Sammlung, aber auch weil es zu dem Typ des aussterbenden Museums in Russland gehört, in denen Exponate, Präsentation und Bildung auf eine so einzigartige Weise verbunden sind. Jeder Museumexperte würde sofort eine Modernisierung, den Einsatz von Medien und eine zeitgemäße Gestaltung empfehlen. All das fehlt bisher und doch ist es ebenso anregend wie lehrreich, zwischen der Vielzahl an Objekten und endlos langen Texten zu stöbern. In der Reihe vorsichtiger Experimente, die das Museum in den letzten Jahren gemacht hat, sticht diese kleine Revolutionsausstellung einmal mehr heraus.


Revolution reloaded: Wie russische Museen mit dem Jahrestag umgehen

vom 14.07.2017 06:23:01

Die erste Sonderausstellung zum Jahrestag in Moskau war die am 21. März im Museum für Zeitgenössische Geschichte eröffnete Schau „1917 – Der Code der Revolution„. Sie ist bis November zu sehen und bezeichnet sich selbst als „Multimediales Bildungsprojekt ‚ 100 Jahre Große Rußländische Revolution: Gedenken im Namen der Solidarität‘“.

Die Ausstellung, die teilweise in die neue, derzeit im Umbau befindliche Dauerausstellung einfließen wird, stellt eine deutliche Verbesserung zu der alten Darstellung der Epoche dar und spiegelt zudem die einmalige Sammlung des Museums. Dennoch bleibt die Ausstellung hinter ihren eigenen konzeptionellen Ansprüchen einer Präsentation verschiedener Standpunkte und Meinungen sowie „der Analyse historischer Prozesse durch das Prisma ihrer subjektiven Wahrnehmung der Menschen“ zurück. Insbesondere die Überfülle an Material, die die Textkonzeption, eine mangelnde Besucherführung sowie der Versuch, wissenschaftlich aufbereitete Information durch ein Überangebot an Medien zu kompensieren, bestätigen den Eindruck, dass das Museum einen museal modernen, konzeptionell aber bewusst unspezifischen Beitrag zum 100. Jahrestag leisten wollte.

Ein anderes Bild zeigt das Museum für Politische Geschichte in Petersburg. Hier ist bereits seit 2015 die neue Dauerausstellung „Die Revolution in Russland 1917 bis 1922“ zu sehen. Sie bietet eine differenzierte Darstellung unterschiedlicher Standpunkte und löst damit ihr konzeptionelles Ziel, dem Besucher Material und Informationen an die Hand zu geben, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, ein. Stärker als in Moskau wird die Epoche der Revolution nicht nur dokumentiert, sondern problematisiert, ergänzt durch eine klare Haltung der Kuratoren zugunsten einer offenen Diskussion.

Eine detaillierte Analyse beider Ausstellungen ist Gegenstand eines Aufsatzes, der in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift OSTEUROPA erscheinen wird. Es sind zwei Beispiele aus einer Vielzahl von musealen Programmen zum 100. Jahrestag der Revolution, von denen besonders diejenigen der sogenannten Provinzmuseen, darunter Jekaterinburg und Krasnojarsk, hervorzuheben sind. Mit ihren sehr verschiedenen konzeptionellen Zugängen und Formen musealer Gestaltung sind die Projekte in Moskau und Petersburg jedoch geeignet, das breite Spektrum der Interpretationen innerhalb der Museumslandschaft Russlands angesichts geschichtspolitischer Unsicherheit im Umgang mit diesem Gedenkjahr zu verdeutlichen.

Foto: Nikita Anikin (Museum für Zeitgenössische Geschichte, Moskau)

Noch mehr Ausstellungen und Museumsprojekte zur Revolution in Russland …

vom 24.06.2017 05:02:16

… wurden vor Kurzem auf der Museumssektion der Konferenz im Museum für Poltische Geschichte in St. Petersburg vorgestellt. Im Rahmen des Gesamtthemas der Tagung „Die Revolution 1917 in Russland: Ereignisse und Konzeptionen, Folgen und Erinnerung“ war das die mit Abstand interessanteste Sektion, da es ansonsten doch eher um sehr detaillierte Aspekte der Ereignisgeschichte ging, das Thema der Erinnerung aber in keinem Vortrag zur Sprache kam. Immerhin konnten die russischen Kollegen, wohl zu Recht, konstatieren, dass es in der Erforschung dessen, was 1917 „wirklich passiert“ sei, inzwischen keine Differenzen mehr mit den „westlichen“ Kollegen gäbe. Auf meine Nachfrage, ob dies auch für die Erinnerung und geschichtspolitische Interpretation zutreffe, erhielt ich eine ausweichende Anwort mit dem Verweis auf die Fruchtbarkeit jeder Diskussion.

In der Museumssektion, in der auch ich die Gelegenheit hatte, die beiden Ausstellungen in Zürich und Berlin zu präsentieren, wurden außerdem die Sonderausstellung im Museum für Zeitgenössische Geschichte in Moskau, die Dauerausstellung im Museum für Poltische Geschichte sowie Ausstellungen in Zaryzin-Stalingrad und Peterhof zur Diskussion gestellt. Auch hier wird es eine Publikation geben, in der dann auch einige weitere interessante Beiträge zur Museumsgeschichte im Kontext der Revolution und entsprechende Sammlungsbestände nachzulesen sein werden.